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Mzungu

 

das bin ich und bedeutet die Weiße. Ich habe nicht das Gefühl, dass es abfällig gemeint ist. Komisch ist es aber schon wenn jemand hinter mir her ruft“ hey Weiße hast du mal ne Zigarette“ oder „Schau mal, da ist ne Weiße“. Es gibt Weiße die in Arusha leben, aber ich sehe selten Europäer, sie leben in eigenen Vierteln.  Nachwievor werde ich oft angefasst. Von Kindern ganz besonders, meist reiben sie an meinen Armen, als ob sie schauen möchten wo den die schwarze Hautfarbe geblieben ist. Ganz unbefangen ohne Vorurteil nur neugierig. Hin und wieder ist es auch schon vorgekommen, dass mich Erwachsene wie „eher zufällig“ angefasst haben. Natürlich gibt es auch Kinder die sich vor mir fürchten, eine eigenartige Erfahrung. Ein kleiner etwa zweijähriger Junge aus der Nachbarschaft hat in der ersten Zeit panisch gebrüllt wenn er mich gesehen hat. Mit der Hilfe seiner Mutter haben wir uns vorsichtig angenähert,  sie hat ihn auf den Arm genommen und ich habe freudig Faxen gemacht, er kann jetzt ohne Gebrüll an mit vorbei gehen, unheimlich bin ich ihm immer noch. Wenn wir als Familie unterwegs sind, falle ich besonders auf und es ist amüsant wie man die Gedanken der Menschen lesen kann, die sich gerade fragen ob Mini und Kassim meine Söhne sind, ob das möglich ist. Sadat wird öfter auf mich angesprochen und gefragt ob Mzungu seine Frau ist. Er genießt dadurch ein wenig mehr Respekt, obwohl wir nicht das einzige „gemischte Ehepaar“ in Arusha sind, hier in unserem Viertel schon. Neulich ist er von einer Frau die Vitumbua( gebackene Maisbällchen) verkauft, gefragt worden, ob ich mich eine Weile zu ihr setzen würde, damit der Umsatz steigt.

Es ist eine ungewöhnliche Erfahrung auf Grund seiner Hautfarbe aufzufallen und nicht in der Menge untertauchen zu können. Blicke hinter sich zu spüren nur weil man zufällig weiß ist. Ich habe nicht das Gefühl, Rassismus ausgesetzt zu sein und es gab bis jetzt noch keine Situation in der ich mich sehr unwohl gefühlt hätte. Es gibt bestimmt Vorurteile gegen über Menschen mit weißer Hautfarbe, es bezieht sich aber eher auf die Vorstellung, dass Weiße viel Geld haben. Sadat wird hin und wieder gefragt ob er Geld verleihen kann, er hat doch eine weiße Frau.

Natürlich gibt es Situationen in denen ich mich ein wenig ausgeschlossen fühle, wenn alle auf Suaheli durcheinander reden und ich nur Bahnhof verstehe. Aber das sind Situationen die nun nichts mit meiner Hautfarbe zu tun haben.

In unserer Straße haben sich die meisten an mich gewöhnt. Die Nachbarn wissen, dass ich kaum Suaheli spreche und freuen sich über meine sprachlichen Fortschritte, die meisten winken mir freundlich zu. Hier bin ich auch schon oft Elske und nicht nur Mzungu. Hin und wieder werde ich auf Englisch angesprochen Die größeren Kinder probieren ihre Englisch Kenntnisse an mir aus und freuen sich über einen kleinen Smalltalk. Hier fühle ich mich gut aufgehoben.

Ich gewöhne mich daran aufzufallen und ich freue mich darüber mit welcher Freundlichkeit und Offenheit ich meist behandelt werde. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Freundlichkeit und Offenheit die mir entgegen gebracht wird, Afrikanern in Deutschland entgegen gebracht wird und wir alle endlich lernen fair mit einander umzugehen.

 

 

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Kommentare: 8
  • #1

    Norbert Kappenstein (Dienstag, 30 Januar 2018 21:29)

    Hallo Elske,
    einfach toll was Du hier in Bildern und Text für Erlebnisse dokumentierst.
    Da kann ich nur staunen und wünsche Dir weiterhin alles Gute.
    LG Norbert

  • #2

    EG BAM (Dienstag, 30 Januar 2018 22:43)

    Liebe Elske,
    mit viel Interesse habe ich deinen heutigen Artikel gelesen. Ich glaube,
    es wird schon einige Zeit dauern, bis der Alltag für dich so richtig selbst-
    verständlch geworden ist. Aber du hast die richtige Einstellung gegen-
    über den alltäglichen Situationen.
    Ich wünsche dir, dass du auch bald für alle eine "Selbstverständlichkeit"
    geworden bist und keine Fremde.
    Bis zum nächsten Bericht liebe Grüße von ELKE

  • #3

    Elke Becker (Mittwoch, 31 Januar 2018 11:45)

    Liebe Elske,
    was für ein schönes Foto von Euch Beiden! Ich danke Dir dafür und auch für die aufschlussreichen Zeilen, die es uns gestatten, einen kleinen Eindruck von Deinem Leben dort zu gewinnen.
    Ich habe viel Lektüre von Afrika. Nun darf ich live ein wenig teilhaben an dem Leben eines Menschen,
    der mir bekannt ist und den ich schätze.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Liebe und Gute!
    Bis bald,
    Elke mit Puschkin :-)

  • #4

    Christa Hoeppner (Mittwoch, 31 Januar 2018 12:30)

    Liebe Elske
    Ich habe Deinen Blogg Wort für Wort gelesen und bewundere Deinen Mut nach Tanzania zu gehen und alles in Deutschland zurück zu lassen. Ich hätte diesen Mut nicht und deshalb bewundere ich Dich umso mehr.
    Ich wünsche Dir von Herzen alles erdenklich Liebe und Gute, dass alles so sein wird, wie Du es Dir vorgestellt hast. Danke, dass Du uns mit Deinem Blogg etwas an Deinem Leben teilhaben lässt. Ein Leben, welches ich mir für mich nicht vorstellen kann.
    Ganz herzliche Gruesse aus Deutschland von Christa (Christa Regina aus der FC)

  • #5

    Eva Winter aus Hessen (Mittwoch, 31 Januar 2018 17:26)

    Hallo liebe Elske, durch Christa, meiner Vorschreiberin, habe ich von deiner neuen Wahlheimat erfahren.
    Einmal mehr bewundere ich das und auch ich wünsche dir alles Gute und ein erfülltes Leben mit vielen wunderbaren Momenten in einer für mich vollkommen fremden Welt. Wäre schön, wenn du uns auch in der FC weiterhin mit deinen wunderbaren Collagen verwöhnen würdest.
    Liebe Grüße Eva

  • #6

    Susanne (Sonntag, 11 Februar 2018 14:58)

    Hallo Elske
    Habe soeben deinen Blog entdeckt und freu mich riesig von dir und deinem neuen Leben zu lesen. Du bist sehr mutig, und ich muss dich echt bewundern.
    Werde gerne ab und zu bei dir reinschauen, ich finde sehr interessant aus dem fernen Tanzania zu lesen.
    Mit lieben Grüssen Susanne

  • #7

    Edith Vogel aus der Rhön.... (Sonntag, 04 März 2018 21:55)

    Hallo liebe Elske,
    dein Link machte mich neugierig...
    ich bewundere deinen Mut.... in dieses Land zu Reisen und so schnell Anschluß und Freunde zu finden.... ganz toll finde ich auch deine Dokumention...
    Ich wünsche dir weiterhin viel Freude und schöne Erlebnisse,
    Ganz liebe Grüße Edith

  • #8

    Ulla Holbein und BOlle (Sonntag, 08 April 2018 11:45)

    Eine wunderschöne Aufnahme von euch zwei...:)
    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute nachträglich euch beiden! :)
    Es freut mich so sehr für dich, dass du nochmals dein großes Glück gefunden hast!...
    Und wie ich finde, führst du jetzt ein total anderes und gleichzeitig sehr spannendes Leben!...:)
    Schön, dass ich jetzt endlich deinen Blog gefunden hab, um deine so "schön geschriebenen Erfahrungen in Form von Kurzgeschichten" zu lesen und auch weiter verfolgen zu können! :)))
    Liebe Grüße nochmals.... Ulla