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Famili yangu, meine Familie


Famili jangu, meine Familie.

 

Die Ehe ist ein großartiges Abenteuer, hat irgendein schlauer Kopf mal gesagt, dazu gehört auch die Familie des Partners kennen zulernen, normaler Weise passiert das vor der Hochzeit, in unserem Fall erst einige Wochen später. Ich war schon in Deutschland sehr darauf gespannt, Sadats Familie kennen zu lernen, nicht nur gespannt, ich war auch mega nervös. Ich entspreche ja nicht unbedingt der Idealvorstellung einer afrikanischen Schwiegertochter, a) bin ich weiß, b) bin ich deutlich älter als mein Mann, c.) ich habe christliche Wurzeln und ich kann nur sehr mäßig, afrikanisch kochen.                                                                                                                                                                                                         Teile meiner Familie hatten schon, um es freundlich auszudrücken, sehr sparsam auf unsere Verbindung reagiert, wie würden also meine Schwiegereltern reagieren. Sadat versicherte mir ein ums andere Mal, dass seinen Eltern, einzig sein Glück am Herzen lag und ich keine Befürchtungen haben müsste.                                                                                                                                                                                                     Um seine Eltern zu besuchen lag eine 10 Stündige Busfahrt, in ein kleines Dorf in der Nähe von Tanga, vor uns. Ein kleines sehr idyllisch wirkendes afrikanisches Dorf, jeder kennt jeden, fast wie eine riesige Familie. Nur wenige Häuser haben Strom, es gibt nur einen Brunnen, fließendes Wasser im Haus kommt so gut wie gar nicht vor. Bei unserer Ankunft saß meine Schwiegermutter draußen und flocht an einer Matte aus Palmblättern, Sadats Neffen und Nichten waren mit Wäsche waschen und kochen beschäftigt. Der erste Moment: große Augen auf beiden Seiten, aber schon im zweiten Moment nahm mich meine Schwiegermutter sehr herzlich in den Arm.  Am ersten Tag gingen wir noch ein wenig schüchtern miteinander um, aber ich fühlte mich angenommen. Sadat musste nicht soviel dolmetschen, die Verständigung klappte auch so, unkompliziert. Wir saßen draußen unter einem alten und sehr großen, wunderschönen, schattenspendenden  Mangobaum, Hühner liefen herum, ein paar Katzen ließen sich sehen, die Sonne schien und es war wunderbar warm. Ich mag es Gesprächen in Kisuaheli zuzuhören, auch wenn ich nur hin und wieder ein paar Worte verstehe. Sadat hatte seine Familie lange nicht gesehen, es gab also viel zu erzählen. Zwischendurch kletterte jemand auf eine Palme um frische Kokosnüsse für uns zu pflücken, köstlich und sehr erfrischend. Es herrschte eine schöne friedliche Atmosphäre. Hin und wieder kam einer der Dorfbewohner vorbei um Sadat zu begrüßen, vielleicht auch um mich zu begutachten aber ich wurde immer sehr herzlich begrüßt. Nach einiger Zeit kam auch mein Schwiegervater zurück, er hatte Freunde besucht. Er musterte mich, ging ein wenig auf Distanz, begrüßte Sadat, um mich dann wieder zu mustern. Jetzt fühlte ich mich schon ein wenig verunsichert und merkwürdigerweise sehr jung. Ich begrüßte ihn stotternd, er lachte und das Eis war gebrochen. Meine Schwiegermutter machte sich Sorgen, was ich wohl essen könnte. Sie wollte Maniok  kochen, aber das wäre wohl nichts für mich. Sie war erstaunt, dass ich sehr wohl Maniok esse, obwohl es nicht unbedingt mein Lieblingsessen ist. Vielleicht hatte sie sich eine sehr pingelige weiße Frau vorgestellt, dass ich Maniok esse, auf dem Boden sitze und auch Wasser holen kann (wenn auch nicht auf dem Kopf) hat sie vielleicht ein wenig beeindruckt. Wir haben viel gelacht in diesen Tagen, alle fanden es lustig, dass ich eine Jalbab ausprobierte  und meinten, sie würde mir gut stehen. Die Jalbab ist eine muslimische Kopfbedeckung. Meine Schwiegermutter hat mir eine traditionelle Kanga  geschenkt. Kangas sind große Tücher die man als Rock trägt und die alle mit den unterschiedlichsten Sprüchen versehen sind, zu jeder Gelegenheit  ein Spruch. Eigentlich schenkt der Ehemann seiner Frau zur Hochzeit ein Kanga, ich hab es von meiner Schwiegermutter geschenkt bekommen. Darauf steht: „Sileo Sijana sissi tunapendana“, was soviel heißt wie:“ Unsere Liebe ist nicht für heute oder nur für gestern, sondern für immer. Wie schön romantisch, oder nicht?    Sadat hat mir sein Dorf gezeigt und den Cashewbaum, auf den er als Kind geklettert ist um die Nüsse zu ernten. Ich habe außer Neffen und Nichten, eine Tante kennengelernt und Sadats Schwester. Mein Schwiegervater blieb ein wenig auf Distanz aber in keiner Weise unfreundlich. Er ist natürlich, wie auch der Rest der Familie, der Meinung, dass es gut wäre wenn sich mein Kisuaheli verbessert. Meine Schwiegermutter meint, es gäbe wichtigeres als die Sprache. Die Tage innerhalb der Familie meines Mannes haben mich berührt und ich bin meinem Mann noch näher gekommen.


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Kommentare: 3
  • #1

    picker60@web.de (Montag, 30 April 2018 21:25)

    Jetzt antworte ich mal gleich, Sadat+Elske
    Schön,dich so zu sehen, kennen uns ja schon 40jahre!! mit vielem , mit einander leben, Eltern, Kindern,
    Freunden+Frust, Fotos, Kalender von dir, und so viel mehr.. es ist wichtig+wunderschön dich zu kennen! Bettina



  • #2

    Norbert Kappenstein (Freitag, 25 Mai 2018 11:41)

    Elske Du solltest ein Buch schreiben !!!!
    LG Norbert

  • #3

    Rebekka (Samstag, 26 Mai 2018 22:45)

    Karibu Elske .. da ich ja jetzt etwas Tansania Luft geschnuppert habe, interessiert mich deine Geschichte und ich habe sie ein bisschen "quer" gelesen .. chappeau für deinen Mut und deine Zuversicht. Da hast du wirklich etwas vollkommen neues begonnen. Ich fand die Leute auch sehr nett und die Bemühungen Tansanias etwas für den Umweltschutz zu tun beeindrucken mich. Natürlich gibt es auch Sachen die nicht so optimal laufen, wie wir seitens unseres Guides aufgekärt wurden. Wie kommst du mit der Hygiene zurecht. Ich habe mir schon nach 2 Wochen einen bakteriellen Virus eingefangen, der mich zu Hause wochenlang fast lahmlegte .. und ich bin reiseerprobt. Auch die nicht ganz ungefährlichen Mücken die umherschwirren sind nicht ohne, also das Land ist schon eine Herausforderung an sich. Werde mir immer wieder mal deine Zeilen lesen und so ein wenig an deinem afrikanischen Leben teilhaben. Kwaheri