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Dar-es-Salaam oder Haus des Friedens



Da stehen wir wieder früh morgens am Busbahnhof um erneut eine kleine Reise zu unternehmen. Unser Ziel ist diesmal Dar-es-salaam, dass ca. 650 Kilometer von Arusha entfernt liegt. Sadat der die Strecke schon ein paarmal mit dem Bus gefahren ist, warnt mich vor, es sei eine sehr anstrengende Fahrt von mindestens 11 Stunden. Ich überrede ihn trotzdem, ich möchte so gerne etwas von der Landschaft sehen, dafür nehme ich eine 11 stündige Busfahrt in Kauf.                                                                                                                                                                           Die Fahrkarte hatten wir wieder einen Tag früher in Arusha gekauft, auch das ist immer wieder ein Abenteuer. Die „Booking Büros“ liegen in der Innenstadt von Arusha. Jede Menge Leute tummeln sich dort und der ein oder andere will dich zum Kauf der Fahrkarten in ein Büro lotsen, dass man ein bestimmtes Ziel hat interessiert irgendwie niemand. So kann es passieren, dass jemand energisch „Dodoma“ in dein Ohr schreit und versucht dich in dieses Büro zu ziehen. Wir bleiben hartnäckig und bestehen auf unser Ziel, Dodoma muss warten.  Ohne Sadat hätte ich weder die Fahrkarte, noch am nächsten Morgen den richtigen Bus gefunden, nach wie vor überblicke ich dieses Chaos nicht. Ich bin einfach froh wenn er mich an die Hand nimmt und ich hinter ihm her trotte.                                                                                                            Diesmal startet der Bus mit einer halbstündigen Verspätung im pladdernden Regen. Es war ein ziemlich alter Bus und ob er eine TÜV-Überprüfung bestanden hätte, bezweifele ich stark. Der Bus nimmt Kurs in Richtung Moschi und wühlt sich durch den dichten, morgendlichen Verkehr in Arusha. Die lange Regenzeit, die nach wie vor nicht zu Ende ist, hat die Natur hinter Arusha in ein dichtes sattes Grün verwandelt. Der tropische wirkende Anblick fasziniert mich wieder aufs Neue. Tansania ist ein so schönes Land, das schätzen auch die unzähligen Touristen die hier jedes Jahr zur Safari kommen. Der Bus fährt in einem gemütlichen Tempo und ich kann die Landschaft genießen und vor mich hin träumen, nur der Kilimanjaro hat sich wieder in dichten Nebel gehüllt und kann nicht bewundert werden. In Moschi hält der Bus für eine halbe Stunde und der Bus füllt sich. Junge Männer mit Pappkartons beladen versuchen, Kekse, Obst und Getränke an die Fahrgäste zu verkaufen. Ich habe vorgesorgt und uns ausreichend Proviant eingepackt. Same ist die nächste kleine Stadt in der wir halt machen. Die Landschaft verändert sich nur wenig, zwischen durch gibt es riesige Sisalplantagen, weite Regionen wirken menschenleer, aber immer wieder dieses satte tropische Grün. Obwohl die einspurige Autobahn, die an eine deutsche Landstraße erinnert, nur wenig befahren ist kommt der Bus nur langsam voran, oft hält er an, nimmt Fahrgäste auf oder legt einen Stopp für einen Toilettengang ein. Wir schlafen  immer mal wieder ein, klönen ein bisschen und freuen uns über unseren Proviant. Aus den vorgesehenen 11 Stunden werden 14 Stunden, als der Bus in Dar-es-Salaam hält. Allein von der Stadtgrenze bis zu dem Busbahnhof benötigte der Bus durch den dichten Stau zwei Stunden.                                  Alle Knochen im Körper schmerzen. Am Busbahnhof erwarte uns nicht nur wieder eine riesige Menschenmenge, sondern auch ein feucht, warmes, tropisches Klima, abends um 10 Uhr herrschen bestimmt noch 25 Grad. Es fühlt sich nach Waschküche an und kurz überkommt mich die Angst einem Taxifahrer vor die Füße zu fallen. Sadat verhandelt mit dem Taxifahrer den Preis für die Fahrt zum Hotel. Taxameter gibt es nicht. Wie auch schon für Mombasa hatten wir uns vorab ein Hotel der Mittelklasse bei „Booking com.“ ausgesucht, dass dem Fahrer leider völlig unbekannt war, er fragt sich durch das nächtliche Dar-es-Salaam und nach einer knappen Stunde erreichen wir das Hotel. Komischer Weise sieht es nicht so aus wie auf den Bildern bei „Booking com.“ aber es ist sauber. Das Restaurant habe leider schon geschlossen teilt man uns beim Einchecken mit. Sadat sträubt sich ein wenig, mit mir auf die Suche nach einem Restaurant zu gehen, scheinbar sind Weiße hier nicht so sicher, ich will aber nicht alleine im Hotel bleiben, Sadat gibt nach. Nach kurzer Zeit werden wir fündig, ein kleiner Stand bietet noch gegrilltes Huhn mit Pommes an. Der Verkäufer grinst breit, als ich mir schon vor dem Einpacken ein paar Pommes in den Mund schiebe. Ein Picknick auf dem Hotelbett ist schon romantisch.  Obwohl ich Klimaanlagen nicht besonders mag, brummt sie die ganze Nacht und so schlafen wir bei diesem tropischen Klima recht gut.                                                                                                                                                            Beim Anblick des mehr als lieblosen  Frühstücks am nächsten Morgen, fragten wir uns verblüfft, wie Einträge bei "Booking com." zustande kommen, die dieses Frühstück positiv bewertet hatten.  Trotzdem einiger Maßen gestärkt, machten wir uns bei leichtem Nieselregen auf, die Stadt zu erkunden.                                                                                                                                                                                                                  Obwohl Dar-es-Salaam weniger Quadratkilometer aufweist als Arusha, leben hier über 5 Mio. Einwohner, also deutlich mehr Menschen als in Arusha. Dar-es-Salaam will sich als moderne Handelsstadt präsentieren, sie war ja auch bis 1974 Hauptstadt. Hochhäuser ragen in den Himmel, überall wird gebaut, es gibt sehr chic wirkende Einkaufsmeilen. Hier floriert scheinbar die Wirtschaft. Außerdem finden sich hier die meisten Universitäten des Landes.                                                                                                                                                                                  Nachdem wir eine Weile zu Fuß unterwegs waren, wollten wir uns am Meer einen Kaffee gönnen. Wir nahmen uns ein Taxi und ließen uns auf die Empfehlung des Fahrers zu einem Restaurant direkt am Meer bringen. Drumherum gab es noch einige andere Restaurants, Kaffees und Souvenirläden, alles auf europäischen Tourismus ausgelegt. Auf dem Rückweg legen wir eine längere Strecke am Strand zurück, der leider nicht besonders sauber, dafür aber fast menschenleer ist. Das schwül warme Klima setzt uns beiden etwas zu, so dass wir mit einem Tuk-Tuk weiterfahren.                                                                                                                                                                                                                                    Ein Tuk-Tuk  hat drei Räder, eins vorn und zwei hinten und eine Kabine aus Blech mit einer Sitzbank für zwei bis drei Fahrgäste und davor den Platz des Fahrers. Tuk-Tuks  fahren hier deutlich mehr als in Arusha.                                                                                                                              Direkt am Meer gibt es ein sehr großes Villenviertel mit einigen wirklich schönen Häusern und natürlich auch nur protzigen Hässlichkeiten. Einige Botschaften sind hier ansässig, die Deutsche Botschaft liegt zentraler in der Innenstadt nah am Hafen. Von hier gibt es regelmäßige Fährverbindungen nach Sansibar, dass macht die Stadt für Touristen interessant.  Bei unserer Besichtigungstour stelle ich schnell fest, Dar-es-Salaam ist vielleicht nicht ganz so chaotisch wie Mombasa und wirkt auf den ersten Blick sauberer als Arusha, aber ich kann mir nicht vorstellen, hier zu leben. Die Stadt ist mir einfach zu groß und die wirklich schlimmen Stadtviertel wie z.B. Mbagala kenne ich nur aus Sadats Erzählungen. Es gibt in Dar-es-Salaam deutlich mehr Europäer und scheinbar auch eine gut vernetzte deutsche Community, und Supermärkte sind hier keine Seltenheit. Trotzdem auf den ersten Blick ist mir diese Stadt nicht besonders sympathisch.                                                                    Vielleicht liegt es auch mit an dem Phänomen, dass viele Tansanier darauf bestehen untereinander Englisch zu sprechen und das für besonders gebildet halten. Dabei habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich in einem Restaurant in Hannover Essen gehe und auf Englisch bestelle. Es gibt Kinder die ein sehr gutes Englisch sprechen, sich aber in ihrer Muttersprache, Kisuaheli, nicht ausdrücken können.

 

Nach unserem ersten Tag in Dar-es-Salaam waren wir beide ziemlich kaputt und froh nach einem wirklich guten Essen, in einem indischen Restaurant, wieder in unser Hotel zu kommen. Unser Zimmer lag im fünften Stockwerk und hatte einen winzigen Balkon auf dem wir den Abend verbrachten. Abends um 10 Uhr bei 25 Grad den Geräuschen einer afrikanischen Großstadt zuzuhören ist schon interessant.

Am nächsten Tag hatten wir einen kurzen Termin in der deutschen Botschaft und konnten den Rest des Tages sehr entspannt am Meer und in einer „Shoppingmall“ verbringen. Ich hätte gerne den botanischen Garten besucht, aber leider konnte uns kein Taxifahrer weiterhelfen und zu einer intensiven Suche hatten wir keine Lust. Nach unserem Besuch in der Einkaufsmeile nahmen wir uns ein Tuk-Tuk in Richtung Hotel. Ich habe mich ja schon an einen chaotischen Fahrstil von Bus und Taxifahren gewöhnt, die möglichst schnell an ihr Ziel kommen wollen. Dieser Tuk-Tuk-Fahrer setzte jedoch allen die Krone auf, er fuhr wie ein Wilder durch die Stadt, warum ich nicht ausgestiegen bin wundert mich noch immer.           

Wir haben in den zwei Tagen sicher nicht alle „Highlights“ von Dar-es-Salaam gesehen. Es sind kleine Impressionen von einer sicher sehr interessanten Stadt, aber wir waren froh nach weitern 14 Stunden Busfahrt wieder in Arusha anzukommen.



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