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Safari und der Blick dahinter


es ist mal wieder soweit, Sonntagmorgen um 9:00 Uhr verlässt mein Mann das Haus, um erneut eine Reisegruppe auf einer Safari durch vier Nationalparks hier in Tansania zu begleiten. Er wird sie am Kilimanjaro Airport abholen und sie mehr oder weniger 7 Tage, rund um die Uhr  betreuen. Um es vorweg zu nehmen, mein Mann liebt seine Arbeit als Guide, er liebt die Natur in den Nationalparks und freut sich jedes Mal auf die Serengeti. Er findet es dabei sehr spannend, immer wieder andere „Gäste“ in Empfang zu nehmen um sie zu betreuen, dabei macht er seine Arbeit sehr gut. Nun könnte man meinen, dass es sich dabei um einen Traumjob handelt. Die Natur hier in Tansania ist fantastisch,  die Arbeit als Guide ist allerdings keine leichte Arbeit die nur auf Spaß basiert.  Wer schon mal mit einer Reisegruppe unterwegs war, weiß wie schwierig es ist ca. 12 Personen unter einen Hut zu bekommen und wie nervig wir deutschen Touristen sein können. Wer hat sich auf seinen Reisen, nicht schon über das Benehmen der eigenen Nationalität „fremdgeschämt“.

 

Als ich vorab für diesen Bericht im Internet recherchierte, habe ich über die Arbeitsbedingungen der Guides kaum etwas erfahren. Ich bin auf unzählige Safarianbieter gestoßen, die hin und wieder kleingedruckt auf Trinkgelder für die Guides aufmerksam machen. Ich verlasse mich also in meinem Bericht auf die Erzählungen der Guides und Fahrer, die für die unterschiedlichsten Safarianbieter arbeiten.

Fakt ist, dass Tansania jedes Jahr von unzähligen Touristen besucht wird, die die 16 Nationalparks des Landes mit seiner fantastischen Tier und Pflanzenwelt bestaunen. Darunter die berühmte Serengeti, der Ngorongoro Krater mit der dichtesten Raubtierpopulation in ganz Afrika, der 5885 hohe Kilimanjaro um nur einige zu nennen. 2013 wurde Tansania dann auch zum Besten „Safari-Land Afrikas gewählt, dabei wurde die Tierwelt, die geographischen Highlights und nicht zuletzt die enorme Gastfreundlichkeit des Landes hervorgehoben.

Die Tourismusbranche erlebt nach wie vor ein hohes Wirtschaftswachstum und gehört zum stärksten Wirtschaftsmotor in Tansania. Trotz seines großen Wirtschaftswachstums besteht jedoch in Tansania eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Auf jede freie Stelle kommen zig Bewerber. Einen Arbeitsschutz wie wir ihn aus Deutschland kennen gibt es nicht, von einer Kranken- oder Rentenversicherung ganz zu schweigen. Jeder der also Arbeit hat, wird viel daran setzen diesen Job auch zu behalten, dies kennen wir aus eigener Erfahrung, in den Zeiten, als es Deutschland wirtschaftlich nicht so besonders gut ging.                                                                                                                                                              Für Arbeitgeber ist das eine komfortable Situation, sie müssen nicht befürchten, dass sich ihre Arbeiter für höhere Löhne einsetzen, geschweige denn streiken.

So auch in der Tourismusbranche in Tansania. Es gibt hier so gut wie keine Arbeitgeber die ihre Guides oder Fahrer krankenversichern, die Jenigen die ein kleines Grundgehalt bekommen dürfen schon froh sein. Den eigentlichen Lohn erhalten alle, letztlich aus den Trinkgeldern, die natürlich freiwillig von den Touristen bezahlt werden. Es kann also passieren, dass ein Guide oder Fahrer für ca. 100 Stunden Arbeit in 8 Tagen, mehr oder weniger leer ausgeht, je nach dem wie locker das Portemonnaie bei den Touristen sitzt. Darüber machen sich die meisten Touristen keine Gedanken, wieso auch, sie haben ja meist mehrere tausend Euro für eine knapp zwei Wöchige Reise bezahlt. Darüber hinaus hat die Abhängigkeit von Trinkgeldern natürlich noch einen weiteren Vorteil, der Guide oder Fahrer wird sehr viel dafür tun, um ein anständiges Trinkgeld zu bekommen. Das wissen auch die deutschen Reiseunternehmen die Safaris anbieten und  quasi tansanische Anbieter als „Subunternehmer“ buchen. Die deutschen Reiseunternehmen können also mit der Freundlichkeit der Arbeiter werben und  sich außerdem aus der Verantwortung ziehen. Sie argumentieren damit, dass diese Verhältnisse in tansanischer Verantwortung liegen.  Das stimmt natürlich nur zum Teil,  ähnlich wie in der Textilindustrie in der sich immer mehr Firmen damit auseinander setzen müssen, dass die Näherinnen z.B. in Bangladesch einigermaßen fair bezahlt werden, so sollten sich auch deutsche Reiseunternehmen dafür einsetzen, dass „ihre“ Arbeitnehmer fair bezahlt werden. Dabei rede ich hauptsächlich über das Gehalt und nicht etwa über Arbeitszeiten, Krankenversicherung und den ganzen „Schnickschnack“ über den sich deutsche Arbeitnehmer zu Recht „freuen“.

Nach wie vor werben einige deutsche Reiseanbieter  lieber damit, soziale Projekte zu unterstützen, oder von den Reisekosten ein winziges Stück Regenwald kaufen. Soziale Projekte zu unterstützen ist natürlich sehr ehrenhaft, letztlich dient es einem Land aber mehr, sich für faire Arbeitsbedingungen einzusetzen.  Touristen könnten dabei  als Konsumenten natürlich auch eine große Rolle spielen, indem sie sich über die Arbeitsbedingungen in der Tourismusbranche informieren, bevor sie eine Reise buchen. Aber das machen wohl nur die aller wenigsten. Das Trinkgeld gleich auf den Preis der Reise aufzuschlagen und damit Werbung zu machen, fällt wohl keinem Reiseanbieter ein und so bleibt „Fairtrade-Reisen“ vorerst noch Zukunftsmusik.

 

 



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Kommentare: 4
  • #1

    Dorothea Weckmann-PIper (Samstag, 02 Juni 2018 22:42)

    Hallo Elske,
    Danke für diesen Beitrag. Bislang habe ich mir noch wenig Gedanken über das Leben als guide gemacht, wohl auch weil ich noch nie an einer Safari teilgenommen habe.
    Je mehr ich von Deinem Leben lese, desto mehr hoffe ich,
    dass alles mal als Buch herauskommt. Du schreibst so lebendig und mitfühlend
    dass ich nicht so schnell davon loskomme.
    Bleibt gesund !! und Dir und Deiner Familie alles Gute!
    Liebe Grüße , Dorothea

  • #2

    Ulla Holbein (Montag, 04 Juni 2018 11:54)

    Moin Elske,

    grad hab ich wieder deinen interessanten Beitrag gelesen!...
    Da ich so Reisen auch noch nicht mitgemacht habe, kann ich natürlich gar nicht mitreden.
    Das hängt allein damit zusammen, dass ich mein Leben lang Hunde hatte und habe und diese nie allein lassen würde.
    Wenn Urlaub, dann nur mit meinem Vierbeiner, wie du es bereits auch schon meinem Profil in der FC entnimmst!...:)
    Also kommen für mich diese wunderschönen Reisen nicht in Frage.
    Und somit macht man sich auch keine Gedanken darüber!...
    Bislang haben mich immer an all deinen Fernreisen samt Fotos erfreut!
    Allerdings jetzt, wo du dort alles aus erster Hand erlebst und erfährst, sieht da schon ganz anders aus!...
    Da hat dein Mann einen absolut harten, wenn auch sehr schönen, Job, der schlecht bezahlt wird.
    Und wäre es nicht die Liebe zur Natur und zu seinem Beruf, so sähe das Ganze noch viel bescheidner aus!...
    Man kann nur hoffen, dass dieser Bericht von vielen gelesen wird und sich die Touris dementsprechend erkenntlich zeigen.
    Dir erst mal wieder vielen Dank für deine so schöne Berichterstattung, sie ist immer wieder so toll zu lesen!
    Dir/euch eine gute Woche, hoffentlich auch für deine Mann, der den Touris die Schönheit eures Landes zeigt!
    Liebe Grüße vom Team....Ulla




  • #3

    Diana v. Bohlen (Donnerstag, 07 Juni 2018 16:51)

    Immer wenn es die Möglichkeit gibt, Menschen auszunutzen, gibt es auch Welche, die das tun !

    Auch ein Grund dafür, dass Viele auswandern !

    lieber Gruß

    Diana

  • #4

    Reinhard Sieck (Dienstag, 26 Juni 2018 11:30)

    Danke für den Beitrag. Jetzt verstehe ich, weshalb die "Trinkgelder" so sein müssem, wie sie sind!
    Viele Grüsse, Reinhard