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Mobil


Vor ein paar Tagen, hat mich eine Freundin gefragt, ob ich das Autofahren nicht sehr vermisse. Manchmal. So einfach ins Auto steigen, um mal kurz einkaufen zu fahren, ist schon toll.  Aber erstens ist mein Führerschein noch nicht umgeschrieben und zweitens, ich traue mich einfach noch nicht. Warum? Der Linksverkehr hält mich immer noch davon ab. Ich lebe nun schon fast ein halbes Jahr hier und wundere mich immer noch. „Da fährt doch glatt ein Kind, ach ne es sitzt auf der Beifahrerseite“. Mittlerweile habe ich gelernt beim Überqueren der Straße erst rechts und dann links zu schauen, sehr hilfreich, denn Autofahrer, Motorräder und was sonst noch so mobil ist, nimmt wenig Rücksicht auf Fußgänger. Ein paar Mal hat mich Sadat schon davor gerettet, überfahren zu werden. Aber es wird besser und ich bin zumindest als Fußgänger geübt.                                                                                                                                                                                                                            Ein paar Mal bin ich auch schon mit dem Motorrad -Taxi gefahren. Das macht Spaß!! In der ersten Zeit hier habe ich mich über die vielen Motorradfahrer  gewundert, die an  vielen Straßenkreuzungen stehen und klönen. Das sind die „Taxifahrer“ die auf Mitfahrer warten. Sie sind billiger als die normalen Taxis und bei dem oft dichten Verkehr, auch deutlich schneller. Allerdings haben nicht alle Fahrer einen zweiten Helm. Es ist absolut irre, was auf einem Motorrad transportiert werden kann, große Gasflaschen sind eine Kleinigkeit, zehn Hühner auch, Möbel sind möglich und Fensterscheiben auch. Jeder deutsche Verkehrspolizist würde bei dem Anblick sofort kollabieren, das gilt auch für den Zustand der meisten Sammeltaxis, sprich Kleinbusse. Ich bin mittlerweile recht abgehärtet und mache mir wenig Gedanken über den Zustand, wenn ich alleine fahre, quetsche ich mich auch schon mal  in ein überfülltes Taxi, an das „Ölsardinengefühl“ habe ich mich schon längst gewöhnt. Sadat ist etwas pingelig und wartet lieber auf ein weniger volles Taxi. Er hat aber auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, seine Brieftasche wurde ihm hier schon gestohlen, meine Tasche halte ich also immer sorgsam an mich gepresst, sieht bestimmt ulkig aus, aber“ besser ist besser“.                                                                                                                                                                                                                          Fahre ich alleine, bin ich nach wie vor ein wenig angespannt und beobachte die Strecke genau, um ja nicht an der falschen Stelle aus zusteigen. Es würde mir nach wie vor sehr schwer fallen, nach dem Weg zu fragen, bzw., ich könnte die Antwort  immer noch nicht gut und unmissverständlich verstehen. Dazu kommt, dass ich leider, über keinen guten Orientierungssinn verfüge, mir fällt es absolut nicht schwer, mich zu verlaufen. Ich versuche mir also so viele Details wie möglich auf meinen Wegen zu merken, nicht immer leicht bei dem Gewusel an Menschen. Die wichtigsten Wege habe ich mir mittlerweile gemerkt und bis jetzt bin ich auch immer an mein Ziel gekommen.                                                                                                                                                                                                                                                          Aber nicht nur ich habe ein paar Schwierigkeiten mit der Mobilität. Als wir neulich in einem Einkaufszentrum waren, wollte ich etwas aus der zweiten Etage besorgen. Ganz selbstverständlich bin ich mit Mini und Kassim auf die Rolltreppe zugesteuert, kurz davor stoppten die Beiden und mussten diese „Transportmaschine“ erstmal  genausten anschauen. Nach einigem zögern konnte ich die Beiden aber doch dazu bewegen, sie auch zu benutzen. Es sind keine besonders ängstlichen Kinder, in dem Moment haben sie meine Hand ganz fest gehalten. Wir haben das Ganze ein wenig „geübt“ und jetzt fahren sie ganz selbstverständlich  Rolltreppe. Als nächstes steht Fahrstuhl fahren auf dem Programm. So machen wir alle immer neue Erfahrungen, dass macht das Leben ja so reizvoll.


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Kommentare: 3
  • #1

    Diana v. Bohlen (Donnerstag, 07 Juni 2018 16:46)

    so schön, wie Du Einblicke in Dein neues Leben gibst ! ;)

    lieber Gruß

    Diana

  • #2

    Holbein Ulla (Freitag, 08 Juni 2018 10:13)

    Grüss dich Elske,

    zu allererst mal Glückwunsch zu dem tollen Bild, welches du hier oben eingestellt hast! :)
    Die zwei, Mini und Kassim, stehen die sehr gut! :)
    Ein wunderschönes Foto mit euch drei auf der Rolltreppe!...
    Die Kinder lernen von dir und umgekehrt ebenfalls, du lernst von den Kindern!...
    Ich denke mir mittlerweile schon, dass die Zwei durch dein "Dasein" echte Vorteile haben, ich meine im Gegensatz zu denn anderen Kindern!
    Und was den Verkehr dort anbelangt, so wäre ich auch äusserst vorsichtig und würd mich lieber von A nach B kutschieren lassen, statt selber zu fahren!...:)
    Es ist schon eine enorme Umstellung mit dem Linksverkehr!...
    Mal kurz nicht aufgepasst und schon ist's passiert!...
    Aber ansonsten scheint es dir soweit gut zu gehen, was mich sehr freut!
    Ich wünsche dir/euch ein herrlich entspanntes Wochenende!...
    Liebe Grüße
    Ulla

  • #3

    Holger Mx (Dienstag, 12 Juni 2018 17:06)

    Liebe Elske
    sehr anschaulich, kurzweilig und fesselnd Deine Erzählungen. interessant das alles aus Deiner Perspektive "sehen" zu dürfen.

    Aus gesundheitlichen Gründen bin ich schon 20 Jahre nur noch Beifahrer und ich leide schon hier in Europa. ;-)

    Gute Fahrt Dir/Euch
    Liebe Grüße
    holger