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Brimborium für ein Visum nach Deutschland


 

Es ist wirklich und tatsächlich wahr geworden; ich konnte gemeinsam mit meinem Mann Deutschland besuchen.                                               Eine aufregende Zeit in der wir eine Menge zu erledigen hatten.                                                                                                                                         Die Familie stand bei diesem Besuch natürlich an erster Stelle und durfte auf keinen Fall zu kurz kommen, lernten sie meinen Mann doch erst jetzt kennen.                                                                                                                                                                                                                                     Ich denke, er hat die meisten Herzen im Sturm erobert.

 

Dass ich Deutschland nicht so ohne weiteres mit meinem tansanischen Mann  besuchen kann,  ist bestimmt allen Lesern klar. Es bedarf eines Visums das die  Deutsche Botschaft ausstellt, in unserem Fall ist die Deutsche Botschaft In Dar-es-Salaam zuständig. Um dieses Visum zu beantragen mussten wir also dort hin fahren. Ihr könnt Euch vielleicht erinnern, Anfang Mai schrieb ich einen Reisebericht über Dar-es-Salaam, dass eigentliche Ziel dieser Reise war die Deutsche Botschaft um eben dieses besagte Dokument zu beantragen, genauer gesagt; ein Schengen-Visum.

 Jetzt ist es nicht so, dass man so einfach in die Botschaft fährt, nett anklopft und um eine Reiseerlaubnis bittet, nein, das wäre ja zu einfach. Man muss online einen Termin buchen, dabei erhält man gleich den Hinweis, dass der Termin bei einer Verspätung verfällt.                                                                                                                                                                                                                                             Uns Deutschen wird ja bekanntlich nachgesagt, dass wir die Bürokratie erfunden hätten, um dem gerecht zu werden, gibt es dann auch noch eine Liste an Dokumenten die für diesen Antrag benötigt werden, ein einfacher Antrag reicht nicht. Nun kann man das Visum auch nicht schriftlich beantragen, man muss persönlich in der Botschaft vorsprechen.  Nun gut, wir sind also 15 Stunden mit dem Bus nach Dar-es-Salaam gefahren und damit auch ja nichts schief gehen kann, zwei Tage vor dem Termin angereist. Ich war nie zuvor in einer Botschaft und hatte eine noble, romantische Vorstellung von dieser Einrichtung, dass kommt davon, wenn man zu viele Schnulzen im Fernsehen sieht. Wir waren beide unglaublich aufgeregt und super pünktlich zur Stelle. Die Deutsche Botschaft teilt sich das Gebäude mit der englischen und holländischen Botschaft und außerdem stellte ich verwundert fest, dass es zwei Eingänge gab. Einen separaten Eingang extra für Visaanträge. Mit Sicherheitsmaßnahmen hatte ich gerechnet und mit einem gemütlichen Büro. Die Sicherheitsmaßnahmen ähnlich wie auf einem Flughafen gab es, das Büro nicht. Das Ganze erinnerte mich stark an ein Arbeitsamt in Deutschland. Vor uns waren noch etwa 8 Personen an der Reihe, alle scheinbar gleich aufgeregt und hoffnungsvoll wie wir. Für die deutschen Visaanträge gab es zwei Schalter, mit dicken Glasscheiben von den Besuchern abgetrennt, damit ja keine gemütliche Stimmung aufkommen kann. Eine deutsche Botschaftsangestellte und eine tansanische Angestellte bedienten jeweils einen Schalter. Die deutsche Botschaftsangestellte muss mit Bravour einen Workshop in Unfreundlichkeit bestanden haben, oder wurde von einem deutschen Arbeitsamt abgeworben. Das galt im Übrigen auch für ihre Vorgesetzte die dazu gerufen wurde, als ein Antragsteller scheinbar zu hartnäckig war.                                                                                          Willkommenskultur funktioniert irgendwie anders und wenn ich ehrlich bin, habe ich mich ein bisschen über die deutsche Präsentation geschämt. Die Gute hat wirklich keinen Besucher freundlich „bedient“.

                                                                                                                                                                                                                                                            Ich war immer der Meinung, eine Botschaft bzw. die Angestellten würden das jeweilige Land  so gut es geht repräsentieren, aber vielleicht habe ich da etwas völlig falsch verstanden. Oder es ist eine Taktik, damit sich die Antragsteller gleich vor Ort noch einmal gut überlegen, ob sie wirklich nach Deutschland reisen wollen. Ich war jedenfalls sehr froh darüber, dass wir an die tansanische Mitarbeiterin gerieten, sie war wirklich sehr freundlich und geduldig und sprach im Übrigen, auf meinen Wunsch hin, ein ausgezeichnetes Deutsch. Ich kann nur hoffen, das sie keinen Workshop in Punkto Unfreundlichkeit belegen muss. Sadat gab seine Papiere ab und uns wurde gesagt, dass wir spätestens in 14 Tagen eine Antwort bekommen würden. Nach diesem Besuch brauchte ich eine ganze Weile, bis sich mein Plus wieder normalisiert hatte und wir in den Tag in Dar-es-Salaam genießen konnten. 

 

Ich musste die ganze Zeit an meine Einreise nach Tansania denken, die Formalitäten sind im Vergleich zu Deutschland eine Lappalie, es reicht bei der Einreise ein Visum zu beantragen und gleich zu bezahlen. Mich hat kein Mensch gefragt wie viel Geld ich dabei habe, oder ob ich eine Auslandskrankenversicherung habe und zu welchem Zweck ich einreise hat auch niemanden wirklich interessiert.

Wir Deutschen sind so daran gewöhnt, die Welt ohne große Schwierigkeiten zu bereisen und wissen dieses Privileg nicht wirklich zu schätzen.  Vielleicht bin ich aber auch nur sehr naiv, mir kamen all die Formalitäten jedenfalls sehr überzogen vor.  

                                                                                                                                                                                                                                                     Zurück in Arusha begann dann die Wartezeit in denen wir alle möglichen Überlegungen anstellten, ob wir auch ja alles richtig gemacht hatten. Nach 14 Tagen hatten wir immer noch keine E-Mail und ich beschloss in der Botschaft anzurufen. Ein freundlicher Mann begrüßte mich auf Englisch und nein er sprach kein Deutsch. Ich versuchte also mein Anliegen auf Englisch vorzutragen. Ich müsste es in zehn Minuten nochmal versuchen, teilte er mir mit, er könnte mir nicht helfen. Um es kurz zu machen, dass Spiel weiderholte sich noch drei Mal bis ich endlich eine deutschsprachige Botschaftsangestellte am Telefon hatte und komisch, ich habe mich über ihre Unfreundlichkeit kein bisschen gewundert. Sie teile mir jedenfalls recht pampig mit, dass wir uns gedulden müssten, eine E-Mail würde uns sicher in den nächsten Tagen erreichen. Nach diesem Telefonat habe ich mich schon gefragt, ob Unfreundlichkeit Spaß macht. Zwei Tage später war die E-Mail mit den Worten: „You can pick up your pasport“ jedenfalls da. Wir wären über eine verbindlichere E-Mail sehr dankbar gewesen, diese ließ zu viel Raum, für weiteres Kopfkino.  Um nicht wieder 30 Stunden im Bus zu verbringen, buchten wir einen Flug für den nächsten Tag um 8:00 Morgens. Wir standen also um 4:00 auf und waren pünktlich um 6:00 am Flughafen. Um 7:00 teilte man uns dann freundlicher Weise mit, dass dieser Flug gekanzelt sei, da es zu wenig Passagiere gäbe, aber wir sollten uns keine Sorgen machen, wir könnten mit einer anderen Maschine um 11:00 nach Dar-es-Salaam fliegen. Zum Ausgleich lud uns die Fluggesellschaft zu einem etwas mickrigen Frühstück ein, mit einer halben Stunde Verspätung brachen wir dann endlich in Richtung Dar-es-Salaam auf, das wir auf Sansibar zwischenladen würden, hatte man uns leider vergessen zu sagen. Wir wollten  noch an diesem Tag  zur Botschaft und mussten bis ca. 13:30 vor Ort sein. Nachdem wir sicher gelandet waren, spurteten wir zu einem Taxi um kurze Zeit später in einem Stau zu stecken, jetzt war klar, die Deutsche Botschaft würde uns an diesem Tage nicht sehen. Schön, wenn man sich ein bisschen in einer Stadt auskennt und so konnten wir den Taxifahrer zu dem Hotel lotsen, dass wir schon vor drei Wochen bezogen hatten. Sadat buchte unseren Flug am nächsten Tag, vom Morgen auf den Abend um. Wir versuchten den Rest des Tages zu angenehm zu gestalten und möglichst nicht nervös zu werden.   Am nächsten Mittag waren wir pünktlich vor der deutschen Botschaft, um draußen, mit einigen anderen auf den Einlass zu warten. Punkt 13:00 durfte Sadat dann die Visaabteilung betreten, ich wartete weiter draußen, da unser Laptop in kein Schließfach passte und niemand darauf aufpassen wollte. Ich wartete endlos wie es mir schien. Jedenfalls drei Zigaretten lang, bis Sadat grinsend mit den Worten:“ Willst du mal was sehen“ vor mir stand. In seinem Pass klebt das Visum für 90 Tage. Ich glaube man braucht nicht viel Fantasie um zu wissen, wie sehr wir uns gefreut haben. Wir waren so gut gelaunt, dass uns die kleinen Schwierigkeiten beim Rückflug nicht allzu sehr genervt haben.

 

Das war Anfang Juni und Ihr könnt Euch sicher gut vorstellen, dass wir jede Menge Kopfkino im Reisegepäck verstaut hatten als wir zu unserer gemeinsamen Reise aufbrachen. Wir  hatten von Freunden gehört, dass sie über eine Stunde an der Passkontrolle stehen mussten, da das Visum auf seine Echtheit überprüft wurde. In Deutschland gelandet, hatten wir Glück, der Beamte an der Passkontrolle war so perplex, dass Sadat Deutsch spricht, dass er uns gleich durch gewunken hat.

 

Von den vier Wochen Deutschland die nun vor uns lagen erzähle ich Euch demnächst.

 

 

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Norbert Kappenstein (Montag, 30 Juli 2018 15:49)

    Hallo Elske, das sind mal wieder tolle Abenteuer die Du hier erzählst. Dagegen sind die Besuche mit meiner Frau (Spanierin) beim spanischen Konsulat in Frankfurt direkt langweilig . :-))
    LG Norbert

  • #2

    Dorothea Weckmann-PIper (Montag, 30 Juli 2018 18:40)

    Hallo Elske,
    ich weiß nicht, ob das meine Nerven durchhalten würden,
    es ist unglaublich spannens, Deinen lebendigen Bericht zu lesen, danke!
    Liebe Grüße und weiter alles Gute, Dorothea

  • #3

    Diana v. Bohlen (Dienstag, 31 Juli 2018 09:37)

    liebe Elske,

    Ich habe Deinen Bericht mit Spannung gelesen und freu mich schon zu erfahren, wie es Deinem Mann in Deutschland gefallen hat !

    ein herzlicher Gruß aus dem afrikanisch heßen Deutschland von Diana

  • #4

    Ulli Drews (Dienstag, 31 Juli 2018 15:51)

    Wow, Elske, da habt ihr ja wirklich sehr viel Stress im Vorfeld eurer Reise nach Deutschland durchhalten müssen. Diese "Behörden-Unfreundlichkeit" überrascht mich nicht sonderlich, darüber ärgere ich mich hier selbst in Deutschland auch ab und an mal. Das sind eben Beamte, die meinen sich das erlauben zu können u. ja, sie "dürfen" es auch, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Das ist menschlich total daneben, so meine Meinung als "ehemaliger Beamter"...:-)

    Herzl. Grüße, Ulli

  • #5

    pese23 (Mittwoch, 01 August 2018)

    Hallo Elske,
    ich lese deinen Blog unheimlich gerne und bewundere deinen Mut . Ich wünsche dir und deinem Saadat alles erdenklich Gute und natürlich auch den Kindern.

    Bin schon sehr gespannt auf deinen nächsten Bericht.

    Alle Liebe und Gute für euch und viele Grüße in die Ferne
    Petra

  • #6

    GraceW (Mittwoch, 01 August 2018 16:30)

    hallo elske, habe deinen bericht mit interesse gelesen, wie die meisten anderen auch. ich bewundere deinen mut, aber wie heißt es so schön: die liebe verleiht flügel o.ä., da kann man dinge in angriff nehmen, von denen man vorher nur träumen kann.
    ich habe schon viele berichte über afrika und die verhältnisse dort gelesen. wir als mitteleuropäer sind nicht gewohnt, immer wieder die geduld aufzubringen, die dort gefordert wird.
    ich wünsche dir und deinem mann alles gute und bin gespannt auf deinen neuen bericht!!
    grace
    ps. danke, dass du uns an deinem neuen leben teilhaben lässt!!

  • #7

    Christa Regina (Donnerstag, 27 September 2018 10:49)

    Hallo liebe Elske
    Möchte Dir ein dickes Kompliment aussprechen. Du schreibst Deine Berichte so lebendig und faszinierend, dass man meint, das alles zusammen mit Dir zu erleben. Als wenn man selber dabei wäre und das alles miterleben würde.
    Freu mich auf weitere Berichte von Dir und gruesse Dich ganz herzlich.
    Christa