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Modebewusst


Immer wenn ich mit dem Dalladala in die Stadt fahre, komme ich an einer kleinen Schneiderei vorbei, nicht ungewöhnlich, gibt es sie doch an fast jeder Straßenecke.                                                                                                                                                                                                      Manchmal arbeiten die Schneider auf der Straße, andere haben kleine Shops, genäht wird auf alten mechanischen Maschinen die keinen Strom benötigen. Es wird umgenäht, repariert und eben neu geschneidert.  Besagte Schneiderei fiel mir  jedoch besonders ins Auge. Vielleicht liegt es daran, dass er es versteht, traditionelle Stoffe recht modern zu verarbeiten, oder an der Art der Präsentation der Kleidung. Der Schneider zeigt in wechselnden Abständen seine Arbeiten, feinsäuberlich vor dem Laden ausgehängt. Eine besonders schöne Jacke machte mich neulich sehr neugierig, ich musste Sadat nicht lange überreden um mit ihm, dem Laden einen Besuch abzustatten. Ein sehr kleiner Laden, zwei Nähmaschinen, ein paar Stoffe und jede Menge gute Laune, die von dem Schneider und seinen zwei Näherinnen ausging. Leider passte mir die Jacke überhaupt nicht, sie war mindestens drein Nummern zu groß. Aber ich bekam dass Versprechen, dass er mir, innerhalb von einer Woche  eine maßgeschneiderte Jacke nähen würde, ich müsste nur selbst den Stoff besorgen.

 

Stoffläden gibt es jede Menge hier in Arusha. Mich faszinieren die  bunten wild gemusterten Baumwollstoffe. Sie haben  unser Bild von Afrika nachhaltig geprägt. Nach wie vor überwiegen die traditionellen Muster, aber man findet auch modernes wie zum Beispiel abgebildete Glühlampen. Ich hab schon einige Stunden in diesen Stoffläden zugebracht und gestöbert. Die bunte Vielfalt reizt mich einfach und so  habe ich mir schon Hosen oder Hemden selbst genäht. Die Stoffe eignen sich genauso gut für Bettwäsche oder Gardinen. Für unsere Verhältnisse sind die Stoffe günstig, ich zahle für 6 Meter ca. 13 Euro. Die meisten Stoffe die ich erstanden habe kamen aus Nigeria, aber wenn man nicht aufpasst, erwischt man  billiges chinesisches Imitat.                                                                                                                                                         Früher hatten die Muster in der Swahilikultur eine bestimmte Bedeutung, jeder Clan hatte sein eigenes Symbol, die Qualität der Stoffe verriet aus welchen Verhältnissen man kam.                                                                                                                                                                     Darüberhinaus kann man in diesen Stoffläden auch die traditionellen  Kangas erstehen.                                                                                       Kangas sind bunte Baumwolltücher, ca. 1 Meter breit und ca. 1,5 Meter lang.                                                                                                                Das besonders originelle an diesen Kangas  sind die darauf gedruckten Sprüche, mit denen man zum Beispiel zeigt, dass man verliebt ist, sich mit seiner besten Freundin wieder vertragen will oder welche politische Gesinnung man vertritt. Die Kangas mit ihren Sprüchen sind heute nicht mehr aus der tansanischen Kultur wegzudenken, obwohl sie erst zu Beginn des 20 Jahrhunderts Eingang in die Kultur fanden.            Meine Schwiegermutter hat mir zur Hochzeit ein Kanga mit dem Spruch: Sileo Sijana sissi tunapendana“, was soviel heißt wie:“ Unsere Liebe ist nicht für heute oder nur für gestern, sondern für immer.“                                                                                                                                       Kangas sind überaus praktisch, sie können als Tischdecke, als Tragetuch für ein Baby oder für die Einkäufe verwenden. Aufwendig um den Körper drapiert eignen sie sich als Kleidung für ein Fest, einfach um die Hüfte gebunden dienen sie als Arbeitskleidung.

 

Natürlich hat die Globalisierung auch in punkto Mode Afrika längst erreicht. Die Chinesen überfluten den Markt und auch die „Metumba-Mode“ verändert das Bild (ich habe ausführlich über die Second-hand-Ware aus Europa berichtet).Die jungen Leute wollen moderne Jeans tragen. Mmbaraka nähe ich die Jeans möglichst im „Slimstil um, allerdings weigere ich mich Löcher hinein zuarbeiten, da bin ich altmodisch. 

Ich habe allerdings den Eindruck, dass es hier  nicht nötig ist, allen Mode-Trends hinterher zu laufen. Man trägt, was gefällt und wenn es ein bunter Kinderhut auf dem Kopf eines Taxifahrers ist. Es gibt nicht diesen Modezwang, dazu fehlt im Übrigen den meisten das nötige Kleingeld.

                                                                                                                                                                                                                                              Hochwertige Kleidungsstücke haben dennoch in der afrikanischen Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert, sie sind kein schnelllebiges Konsumgut, sondern nach wie vor ein wichtiges Statussymbol.

                                                                                                                                                                                                                                                Nachdem ich nun erneut einen Streifzug durch die Stoffläden beendet hatte, brachte ich dem Schneider meine Ware. Der nahm ganz genau Maß, schrieb alles ordentlich auf und wir vereinbarten einen Termin. Pünktlich war mein Prachtstück fertig, sehr gut genäht und wie gesagt auf Maß geschneidert. Er hat dafür, umgerechnet, 16 Euro verlangt.

  

 

Meine neue Jacke ist im Übrigen, meine erste maßgeschneiderte Jacke und ich werde sie bestimmt in Ehren halten.



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Kommentare: 3
  • #1

    Norbert Kappenstein (Samstag, 20 Oktober 2018 22:15)

    Interessant und sehr schön geschrieben hast du das wieder Elske.

  • #2

    Diana v. Bohlen (Sonntag, 21 Oktober 2018 14:33)

    immer wieder spannend Dein Blick in das Alltagsleben dort !

  • #3

    Dorothea Weckmann-Piper (Montag, 05 November 2018 20:32)

    Hallo Elske,
    das ist wirklich ein schönes Foto von Euch drei Frauen.
    Ich bin immer wieder begeistert von der Lebendigkeit Deiner Berichte,
    und ich hoffe, alles erscheint mal als Buch!!
    Liebe Grüße aus der Ferne, Dorothea