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Novemberstimmung


Noch vor einigen Tagen gab es Sonnenschein satt, die Temperaturen stiegen auf über 25° Grad.                                                                          Mittags mochte ich mich draußen nicht mehr gerne  aufhalten, es war einfach zu heiß. Es hatte monatelang nicht mehr geregnet und der unvermeidliche Staub setzte sich wirklich überall ab. Manchmal hatte ich das Gefühl, er knirscht zwischen den Zähnen.                                      Die Trockenzeit hatte auch zur Folge, dass unsere Wasserversorgung schwierig wurde. Zweimal hatte Sadat einen Tankwagen mit 3000 Litern Frischwasser bestellt, der Preis unverschämt hoch. Nun haben wir ein merkwürdig kompliziertes Wassersystem, dass ich nach wie vor nicht so ganz verstehe. Wir haben vor unserer Wohnung einen Wassertank in den 1500 Liter passen, das Wasser kommt aus diesem Tank allerdings nicht direkt in unsere Wohnung, wir müssen es schleppen. Ein bisschen weiter haben  Nachbarn einen Tank für 3000 Liter neben ihrem Haus, den wir aber mit benutzen, aus diesem Tank wird das Wasser direkt in unsere Wasserleitung gespeist.                                                                          So weit so gut.                                                                                                                                                                                                                                  Als Sadat den Tankwagen bestellte, hatte ich die naive Vorstellung, dass sich alle über das Wasser freuen würden und wir die Kosten selbstverständlich alle gemeinsam tragen würden.                                                                                                                                                           Unsere direkten Nachbarn waren auch sehr froh, sie haben ein Kleinkind und brauchen natürlich viel Wasser, andere Nachbarn wollten sich nicht an den Kosten beteiligen. „Gut“, habe ich gedacht, „wenn ihr euch nicht an den Kosten beteiligt, könnt ihr das Wasser auch nicht nutzen.“ Natürlich haben sie das Wasser mit benutzt, nicht mal mit schlechtem Gewissen.                                                                                          Das hatte wiederum zur Folge, dass wir, bei der nächsten Bestellung, nur unseren Tank füllten und den Zugang mit einem Schloss absicherten. Ich musste also wieder ein paar Tage mit der Hand waschen, was nicht so schlimm war. Andere Familien um uns herum, hatten es da schon schwere und mussten ihr Wasser, von wer weiß wo holen, ein schlimmer Zustand.                                                                        Scheinbar ist es auch nicht so, dass sich die Regierung für das allgemeine Wassersystem verantwortlich fühlt.                                                   Unser Vermieter fühlte sich  verantwortlich und kam extra aus Dar-es-Salaam angereist, um die Bohrung  eines neuen Brunnens zu überwachen.                                                                                                                                                                                                                                     Ein riesiger LKW mit einer Vorrichtung zum Brunnen bohren kam auf unser Gelände. Zwei Tage grub sich die Bohrstange unter lautem Getöse in die Erde. Für die Arbeiter sehr, sehr anstrengend, vor allem weil sie das Ganze ohne Hörschutz bewältigen mussten. Nach zwei Tagen war es dann soweit, sie hatten den Grundwasserspiegel erreicht, jetzt dauerte es noch mal drei Tage bis alle Leitungen neu verlegt waren. Ein weiterer Tag verging mit irgendwelchen Feinarbeiten, dann war es soweit: Wasser aus der Leitung.                                                                          Vor einem Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, wie viel Gedanken man sich um Wasser machen muss, das es keine Selbstverständlichkeit ist, dass Wasser sauber und jeder Zeit verfügbar ist, geschweige denn, einfach aus der Leitung sprudelt.

 

Unser Hausbesitzer wollte wohl für sein Engagement gelobt werden, jedenfalls lud er uns alle zu einer Art Mieterversammlung ein.  Mmbaraka bestand darauf, dass ich mit ging. Wir saßen zu 8 in einem winzigen Raum,  und auch wenn ich nur wenig verstand,  er war mit seinem Projekt sehr zufrieden. Ihm war es sehr wichtig, uns darauf hinzuweisen, das Schmutzwasser nicht einfach in die Botanik gekippt werden darf, es würde das Grundwasser verschmutzen. Er hat ja eigentlich recht, nur gibt es weit und breit keine Kanalisation, wo also bleibt denn wohl das Schmutzwasser, auch wenn wir es in der Toilette runterspülen.                                                                                                                    Nun ist das leidige Wasserproblem hoffentlich behoben und der Brunnen verfügt über genügend Wasser um uns alle zu versorgen.

 

Die Arbeiten an dem Brunnen waren gerade abgeschlossen, da begann die Regenzeit, wir hatten eigentlich noch nicht mit ihr gerechnet, beginnt sie doch normalerweise erst im November.                                                                                                                                                              Dass es hier die gleiche trübe Novemberstimmung geben kann wie in Deutschland, hat mich doch sehr erstaunt.                                                      Drei Tage hat es durch geregnet, ein ausdauernd gemäßigter Nieselregen, bei dem man weiß, dass er den ganzen Tag anhalten wird, dazu kam ein dichter Nebel, der die Novemberstimmung perfekt machte. Die Temperaturen sanken gewaltig. Tagsüber war es so dunkel, dass das Licht den ganzen Tag brennen musste. Eine leichte melancholische Stimmung machte sich bei mir breit.                                                             Nicht mal Garfield wollte vor die Tür gehen, auch nicht um ihrer Lieblingsbeschäftigung nach zu gehen.                                                                 Seit einiger Zeit hat sie sich nämlich angewöhnt, punkt zehn Minuten nach sieben, auf die Jagd nach Kakerlaken zu gehen, um dann ihre Beute im Wohnzimmer abzulegen. Sie will einfach nicht verstehen, dass ich diese Viecher hier nicht haben will und sie auch nicht als Abendbrot geeignet sind. Proteine hin oder her.  

Damit uns die trübe Novemberstimmung nicht all zu sehr aufs Gemüt schlägt, haben wir es uns an den Nachmittagen mit Kakao und Marmorkuchen besonders gemütlich gemacht. Dazu gab es „Anti Boss“ eine Daily Soap aus Kenia. Das schöne an „Anti Boss“ ist, dass meine, doch noch sehr rudimentären Suaheli und meine Englischkenntnisse ausreichen, der Serie zu folgen. Sie mixen in einem Satz Suaheli und Englisch, kauderwelschen also genau wie ich es tue.

Heute Nachmittag kämpfte sich die Sonne für eine Weile durch die dicke Wolkendecke, wie schön, sich eine Weile zu sonnen und Licht zu tanken, so verschwindet die Novemberstimmung ruck zuck.

 

 

 



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Kommentare: 6
  • #1

    Norbert Kappenstein (Samstag, 27 Oktober 2018 10:49)

    Hallo Elske,
    Dein Bericht zeigt mal wieder sehr eindrucksvoll wie kostbar Wasser ist,
    das wird bei uns hier leider viel zu oft vergessen. Dabei müsste das eigentlich
    gerade nach dem trockenen Jahr jedem bewusst sein.
    Weiterhin viel Spaß beim Marmorkuchen essen :-)
    LG Norbert

  • #2

    Ulla Holbein (Sonntag, 28 Oktober 2018 07:29)

    Guten Morgen liebe Elke,
    dein Bericht zeigt mal wieder, wie gut wir es hier haben.
    Leider ist das nur viel zu "Wenigen" bewusst!
    Hier wird da Wasser oft im Überfluss verschwendet!...
    Kran auf und Wasser marsch, Liter für Liter!...
    Darüber wird kaum nachgedacht!...:(
    Und Novemberstimmung habt ihr dort also auch, das hätte ich gar nicht so gedacht!
    Naja, wie du schreibst, hast du ein prima "Gegenmittel" gefunden und alle sind mit Sicherheit begeistert! :)
    Weiter so....:)
    Liebe Grüße dir/euch...
    Ulla

  • #3

    Ulla Holbein (Sonntag, 28 Oktober 2018 07:32)

    Sorry, korrigieren ist nicht möglich, mein Laptop hat sich mal wieder verselbständigt und dich mit "Elke statt mit Elske" betitelt!...
    Ich hab's einfach zu spät gesehen! :))))
    Nochmals LG.........:))

  • #4

    Diana v. Bohlen (Montag, 29 Oktober 2018 11:20)

    Wasser, das Lebenselexir, kann man nicht genug schätzen und in Deiner Gegend wird es einem besonders bewußt !

    ein lieber Gruß zu Dir

    Diana

  • #5

    Dorothea Weckmann-Piper (Montag, 05 November 2018 20:27)

    Hallo Elske,
    Nach der langen Dürre sind hier auch die Talsperren im Harz fast leer.Da -und aus Deinem Bericht-
    wird einem richtig bewusst, wie lebensnotwenig das Wasser ist. Dein Bericht ist so anschaulich, dass ich mir wie im Film alles vorstellen kann.
    Ich bewundere Dich immer wieder für Deinen Entschluss, hier die Zelte abzubrechen und merke, dass Du wirklich Deine neue Heimat gefunden hast.
    Alles Liebe und Gute weiter , Dorothea

  • #6

    Ruth U. (Donnerstag, 08 November 2018 20:06)

    Liebe Elske,
    das war wieder sehr interessant zu lesen, mit welchen Schwierigkeiten Ihr zu kämpfen hattet und habt.
    Auch bei uns hat es ja kaum geregnet, die Talsperren im Harz sind nur noch minimal gefüllt und auf den Flüssen können die Schiffe nicht mehr voll beladen fahren. Viele fahren gar nicht mehr.
    Der November ist in diesem Jahr bisher wunderschön, die Bäume noch bunt und die Sonne scheint täglich. Typische Novemberstimmung hatten wir bisher noch nicht. Das wird sicher noch kommen.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie weiterhin alles Gute.
    Ruth