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Advent


Die Temperaturen steigen jetzt oft  am Tag  auf über 30°Grad, die Sonne scheint über Mittag so stark, dass wir uns dann lieber nur im Haus aufhalten. Die Wäsche auf der Leine trocknet in null Komma nix. Es ist nicht schwer, beim Nichtstun zu schwitzen.  Bisweilen ziehen dunkle Wolken auf und bringen den notwendigen Regen. Meist ist es nur, ein starker Platzregen von einigen Minuten, die damit verbundene Abkühlung ist wohltuend.                                                                                                                                                                                                              Die großen Sommerferien haben begonnen. Das Schuljahr ist vorbei und wir genießen es alle, nicht um 6 Uhr in der Früh aufstehen zu müssen.                                                                                                                                                                                                                                            Aus Deutschland hatte ich zwei Tütchen Tomatensamen mit gebracht, jetzt konnte ich zwei Pflanzen in große Eimer umtopfen.  Coktailtomaten, Sadat gießt die beiden jeden Abend liebevoll. Außerdem haben wir einen kleinen Lavendel erstanden, unser Hof wirkt nun nicht mehr ganz so trist.                                                                                                                                                                                                                Die Abende sind  lau, sodass wir es sehr genießen möglichst lange draußen auf der Veranda zu sitzen, die Grillen zirpen lautstark, seit ein paar Tagen quakt ein Frosch aus der Ferne fröhlich mit. Ein kleiner Igel hatte sich kurzfristig bei uns verirrt, die Jungs waren erstaunt, dass ich mich über den kleinen Gast so gefreut habe.                                                                                                                                                                                Garfield ist rollig, drei sehr hässliche Kater buhlen um ihre Gunst und rauben uns mit ihrem lauten, schrillen Katzenkonzert einige Nerven. Kassim versucht sie zu verscheuchen und versteht nicht so ganz, warum die kleine Garfield plötzlich so viel Gefallen an den hässlichen Typen hat. Abgesehen von den Kakerlaken die sie zur gewohnten Uhrzeit mit bringt, war neulich eine kleine Schlange  ihre Beute, die sie zum Schreck der Kinder im Hof ablegte. Mmbaraka war so lieb und entfernte sie. Ich hätte sie gerne fotografiert aber es war schon zu dunkel.                                                                                                  Summer-Feeling pur.                                                                                                                                 Es für mich daher kaum vorstellbar, dass die Temperaturen, in Deutschland  täglich sinken und für viele der vorweihnachtliche Stress begonnen hat. Den gibt es hier nicht. Eigentlich weißt nichts auf die Weihnachtszeit hin, lediglich der Supermarkt, hat ein kleines Regal mit  Weihnachtsartikeln aufgestellt. Einige Schokoweihnachtsmänner, vielleicht noch vom letzten Jahr, stehen in einem anderen Regal mit Sonderangeboten herum. Drei sündhaft teure Plastiktannen werden zum Verkauf angeboten.  Zum ersten Advent, vor ein paar Tagen, schallte besonders laute Musik aus der nahen Kirche zu uns. Ich vermisse ihn nicht den Weihnachtstrubel.                                                                   Mitunter gibt es bei uns auch so Trubel.

 Vor ein paar Tagen hörte ich von einer Freundin, dass alle „Residentes“, also Menschen mit einer Aufenthaltsgenehmigung, ihren Dependant-Pass überprüfen lassen mussten. Es hätte dazu in allen Medien einen Aufruf gegeben. Obwohl wir von Zeit zu Zeit Nachrichten sehen, hatten wir von diesem Aufruf nichts gehört, die Frist war auch schon abgelaufen. Den Grund für diese Überprüfung konnte uns keiner nennen. Um nichts zu versäumen, machten wir uns also wieder mal auf den Weg ins Immigration- Office. Bei solchen Besuchen habe ich meist, ein merkwürdig, beklemmendes Gefühl. Ich verstehe nach wie vor die tansanische Bürokratie nicht so richtig und sie erscheint mir gelegentlich willkürlich.                                                                                                                                                                                                                                        Das gleiche Büro wie im März, die gleichen Leute wie im März, die Aktenberge schienen gewachsen zu sein. Alle Achtung, wer sich hier zu Recht findet.                                                                                                                                                                                                                                   Man teilte uns freundlich mit, dass ich  wieder 2 Passbilder, zwei Kopien meines Passes, zwei Kopien meines Dependant- Passes und ein Formular aus dem Internet in doppelter Ausführung benötige. Die Kopien waren schnell gemacht und wir fanden auch ein Internetkaffee in dem wir das besagte Formular ausdrucken konnten. Dieses war schnell ausgefüllt und abgegeben und ich hatte die leichte Hoffnung, dass das Ganze, an diesem Tag  abgeschlossen wäre. Natürlich nicht, wir sollten am nächsten Tag wieder kommen.                                                           Am nächsten Morgen fanden wir uns gegen 10 Uhr im besagten Büro ein, einer der „Sachbearbeiter“ lachte freundlich und meinte, er hätte uns doch für den Nachmittag bestellt, nein hatte er nicht.   

 Es lohnte nicht, nach Hause zu fahren, also beschlossen wir, das Umschreiben meines deutschen Führerscheins in Angriff zu nehmen, ein Unterfangen, das wir seit einiger Zeit immer wieder vor uns hin schoben.                                                                                                                    Sadat war der Meinung wir müssten zur Verkehrspolizei gehen, wir fragten uns durch, um dann zu erfahren, dass wir zu einem Führerscheinamt in der Nähe gehen müssten.  Auch hier mussten wir uns erst einmal durchfragen bis uns klar war, was zu tun sei.                 Ich bekam ein Formular, das wir ausfüllen mussten und sollten uns von meinem Pass, Führerschein und Dependant-Pass, Kopien in doppelter Ausfertigung besorgen,  um anschließend Fingerprints machen zu lassen. Wir besorgten die gewünschten Kopien, um uns danach mit anderen Wartenden die Zeit zu vertreiben. 40 Leute auf eine Angestellte, die gelegentlich von ihrem Platz verschwand, dass versprach eine nette, lange Wartezeit zu werden.                                                                                                                                                                                                   2 Stunden später waren wir an der Reihe, meine Fingerabdrücke wurden eingescannt und ein Passbild wurde erstellt. Wir bekamen einen Zahlschein und die Info, dass nach 10 Minuten ein Formular fertig wäre. Raus aus dem Gebäude um die Zahlstelle zu suchen, die befand sich in einem alten VW-Bus und entpuppte sich als Zweigstelle einer  Bank. Merkwürdig aber wahr. Wir zahlten 10.000 Tsh.                                    Zurück im Amt bekam ich, ein Formular mit meinem, wirklich sehr scheußlich aussehenden Passbild. Erneut erhielten wir einen Zahlschein und bezahlten nochmal 3000 Tsh in besagtem Bus.                                                                                                                                                     Abermals mussten wir uns bei der Sachbearbeiterin anstellen, von neuem ca. 2 Stunden die Beine in den Bauch stehen, dass heißt zwischendurch konnte man sich auch mal setzen. Irgendwann waren wir  an der Reihe und bekamen einen weitern Zahlschein mit der Aufforderung 40000 Tsh zu überweisen, um mit den Dokumenten zur Polizeistelle zu gehen bei der wir schon am Vormittag waren. Es war mittlerweile 3 Uhr am Nachmittag, mit tat vom langen Stehen  alles weh, wir hatten Hunger, die Laune war nicht mehr die beste auch wenn wir versuchten uns gegenseitig aufzumuntern.                                                                                                                                                                      Nun durften wir aber über den Führerschein, nicht mein Papier vom Immigration- Office vergessen. Gott lob liegen beide Ämter nahe beieinander. Als wir dort eintrafen, ich hatte es schon vermutet, war mein Papier natürlich noch nicht abgestempelt. Der Beamte stöhnte, die Treppe zu seinem Chef sei so hoch, er wüsste gar nicht wie er das schaffen sollte, Sadat meinte, er würde ihn schieben. Ich verstand nur Bahnhof und der Sinn dieser Unterhaltung erschloss sich mir erst, als 60000 Tsh die Hosentasche wechselte. Ich bekam mein abgestempeltes Papier. Geschafft!!!!

Ich war der Meinung, dass wir nur noch zu der Polizeistelle gehen müssten, damit ich meinem Führerschein in Gänze beantragt hätte, leider war dem nicht so. Bei der Polizei, legte ich alle nötigen Kopien, samt dem Antragsformular und den Quittungen vor. Der Polizist warf einen Blick darauf und schickte uns zurück in die Schlange im Führerscheinamt, wieder Beine in den Bauch stehen und geduldig warten. Nach einer Stunde war es soweit, ich bekam meinen vorläufigen Führerschein und wenn alles gut geht, bekomme ich meinen tansanischen Führerschein in zwei Wochen. 

Wir hatten an einem Tag, zwei bürokratische Hürden überwunden, wenn auch mit Plattfüßen und einem großen Loch im Magen, dass wir durch ein wirklich gutes Essen im Restaurant beseitigten. Mal abgesehen davon, dass ich die einzelnen „Arbeitsschritte“ nicht verstanden habe, die Warterei sehr mühsam war, einen Führerschein zu erhalten ist nicht so kompliziert. Warum ich meinen Dependant-Pass bestätigen lassen musste, ist uns bis heute unklar. Aber wie sagt Sadat so oft, es ist ja jetzt vorbei und wir haben es geschafft, da müssen wir uns nicht mehr aufregen.

Heute am Nikolaustag strahlt wieder die Sonne vom blitzblauen Himmel, ein leichter Wind weht, meine Beine habe ich ein wenig in die Sonne gehalten, nach wie vor Summer-Feeling. Aber vielleicht schaffe ich es ja, wenigsten einmal in de Vorweihnachtszeit mit den Jungs Kekse zu backen, vielleicht singe ich ihnen auch ein Weihnachtslied vor, lustig ist das bestimmt.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ulli Drews, der FC "Himmelsstürmer" (Samstag, 08 Dezember 2018 18:40)

    Hallo Elske,
    ich glaube Dir auf's Wort, dass Weihnachten in Deiner jetzigen Heimat sicherlich anders erlebt wird, als Du es mal gelebt hast. Das sind bestimmt nicht nur die "anderen Temperaturen", es sind sicherlich auch ander Gewohnheiten und Rituale. Egal, Weihnachten ist Weihnachten, ein Familienfest in dem es im Kern um die Familienzusammenkunft geht. Aber meine Frau und ich haben im letzten Jahr Weihnachten mit Freunden in Namibia/Swakopmund verbracht. Ja, es waren gewiss andere Temperaturen, aber wir haben es dennoch auch ohne Schnee und Frost genossen. Also kann ich Dir zumindest in diesem Punkt nachfühlen. Aber Schnee u. Frost bedeutet ja nicht Weihnachten! In diesem Sinne wünsch ich Dir/Euch ein wundervolles u. beinnliches Weihnachtsfest!

    Herzl. Grüße, Ulli

  • #2

    Norbert Kappenstein (Sonntag, 09 Dezember 2018 08:32)

    Hallo Elske,
    das war wieder sehr interessant zu lesen. Ich weiß nicht ob ich so eine Geduld bei den Ämtern aufbringen könnte, ich glaube eher nicht.
    Ich wünsche Dir auch unter diesen sommerlichen Bedingungen eine schöne Adventszeit.
    LG Norbert