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Gedanken über die Wirtschaft und drei Katzenbabys



Jetzt neigt sich auch schon der Februar dem Ende entgegen, die Wochen vergehen wie im Flug und wir beschäftigen uns mit allen möglichen, organisatorischen Problemchen, wie z.B. unser Umzug nach Sansibar.

 

 

Unsere kleine Garfield ist seit zwei Wochen stolze Mama und macht ihre Sache sehr gut. Wäre sie ein Mensch, würde ich sie glatt als Helikoptermama bezeichnen, die Kleinen müssen nur einen Mucks machen und schon ist sie wieder bei ihnen. Die Geburt der Babys hat sie nachts alleine bewältigt.   Drei  ziemlich kräftige Katzenbabys, zwei Jungs und ein Mädel. In den ersten Tagen habe ich mir ernsthaft Sorgen um die Kleine gemacht. Sie ist deutlich zierlicher als ihre Brüder und verschlief schon mal die eine oder andere Mahlzeit. Mit ihren drei Farben, ist sie eine kleine Glückskatze. Sie öffnete als erste die Augen und versuchte noch vor ihren Brüdern die ersten unbeholfenen Laufversuche. Sie schlafen ja die meiste Zeit, aber  die Wachphasen werden immer länger und sie wollen ihre Umwelt schon ein wenig erkunden. So  habe ich kurzerhand die Wurfbox gegen ein kleines Nest am Boden ausgetauscht. Garfield musste ein bisschen meckern, aber schließlich gab sie nach, jetzt haben sie auch  mehr Platz. Noch entfernen die Drei sich kaum von dem kleinen Nest, sie erkunden sich gegenseitig was noch recht unbeholfen wirkt. Bin ich in Reichweite über lässt Garfield mir das Babysitten für eine kleine Weile, ansonsten hält sie sich in unmittelbarer Nähe auf. Damit sie bei Kräften bleibt, bekommt sie jetzt auch schon mal Dosenfutter, was hier wirklich ziemlich teuer ist, ist die Stillzeit vorbei muss sie allerdings wieder mit Trockenfutter vorlieb nehmen und auch das ist eigentlich schon Luxus.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Kassim ist besonders fasziniert von den kleinen Wesen er sitzt oft lange vor ihnen, um sie zu beobachten. Er nimmt jede Entwicklung der Drei genauestens wahr. Gemeinsam haben wir auch die Namen Tic, Tac, Toe ausgesucht. Mini schaut sich die Drei auch hin und wieder an, ist allerdings lange nicht so interessiert. Kassim ist es dann auch, der stolz, unseren Besuchern, die Babys präsentiert. Es gibt hier zahlreiche Katzen, aber sie leben frei, Katzen als Haustiere zu halten ist eher ungewöhnlich. Daher waren gestern auch alle ein wenig verblüfft, als sie mir eine Schildkröte gezeigt haben und ich nach dem Besitzer fragte. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass diese einfach frei leben könnte. Als ich meiner Familie beim Essen erzählte, dass in Deutschland Schildkröten als Haustiere gehalten werden, fanden sie das äußerst merkwürdig.    



 Die letzen Tage waren unglaublich schwül und in den Nächten kühlte es kaum ab.  Sobald die Dämmerung einsetzt, kommen Scharen an Moskitos und versuchen, sich an uns satt zu saugen. Heute gab es das erste kräftige Gewitter, sogar mit dicken Hagelkörnern, die ersten die Sadat je in seinem Leben gesehen hat und auch für die Jungs war das Schauspiel etwas völlig neues.                                                            Eindeutig, die Regenzeit steht vor der Tür. In einigen Gebieten hat es allerdings schon so kräftig geregnet, dass die Maisernte in großer Gefahr ist, was eine mittlere Katastrophe bedeute. Mais ist für 90% der Bewohner von Tansania das Hauptnahrungsmittel. Steigt der Maispreis, wird es für viele Menschen extrem schwierig sich nur einigermaßen vernünftig zu ernähren.

 

Die Steuern für die Menschen mit niedrigem Einkommen sollten eigentlich moderat gehalten werden, so ein Versprechen der amtierenden Regierung, sie sind aber einfach mal so, erhöht worden. Wenn nun auch noch die Lebensmittelpreise steigen, wird das, der sowieso geschwächten Wirtschaft nicht gut tun. Man sieht jetzt schon, dass viele kleine Shops schließen, die Besitzer können die Steuern nicht zahlen.                                                                                                                                                                                                                                     Trotzdem hört man nur wenige  Menschen klagen, von lauten Protesten mal ganz abgesehen. Auf der einen Seite werden Demonstrationen, auch mit Gewalt niedergeschlagen, das schürt  die Angst doch gewaltig, zum anderen haben die Menschen genug damit zu tun, irgendwie ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, da bleibt keine Zeit, sich um Politik zu kümmern. Hier in Arusha geht es den Menschen scheinbar noch einigermaßen gut, trotzdem fallen die bettelnden Menschen auf, meist sind es alte Menschen. Sie werden keine Familie haben, die sich um sie kümmert und ein funktionierendes Rentensystem gibt es nicht, um nicht zu verhungern bleibt ihnen nichts anders übrig, als zu betteln. Natürlich gibt es auch in Europa diese Schicksale, aber  an einem von Lepra gezeichneten Menschen vorbeizugehen macht schon sehr traurig.

 

Wer keinen Job hat, versucht auf irgendwelche Art Geld zu verdienen. Da verkaufen Frauen z.B Mangos für ein paar Schillinge mehr, als sie ausgegeben haben. Oder sie tragen Körbe voll mit Gemüse auf dem Kopf und gehen von Haus zu Haus. Seit neustem kommen zwei junge Männer  bei uns vorbei, sie verkaufen direkt von ihrem Hänger, Kartoffeln. Den Hänger ziehen sie mit der Hand. Ein Milchmann kommt zweimal in der Woche in unserer Straße vorbei.                                                                                                                                                                    Viele große Supermärkte gibt es in Arusha ja nicht, es sind die kleinen Shops in denen man einkauft was man zum Leben braucht. In unsere Straße betreibt eine Frau einen Shop in dem ich von Wasser über Hefe, Mehl und sogar Kerzen vieles bekomme, sie verkauft auch Zigaretten aber nur einzeln und höchstens fünf Stück, nicht weil sie an meine Gesundheit denkt, sondern weil das Päckchen, das sie kauft, für ein paar Kunden reichen muss. Warum sie nicht mehr Päckchen für die Kunden kauft weiß ich allerdings nicht.                                                                  Aber es gibt nicht nur die kleinen Lebensmittelshops, die die Menschen über Wasser halten. In unsere Nähe gibt es zum Beispiel noch einen kleinen Minibaumarkt. Er wird von einem älteren Mann betrieben, es ist fantastisch, was er zutage befördert, wenn wir Handwerkszeug benötigen. Ein bisschen weiter weg, gibt es jemanden der Betten zimmert und direkt in Mbauda reihen sich Shops an Shops mit allem möglichen. Ein Laden nur mit Moskitonetzen, aber ich denke, mehr als 20 Netze stehen nicht zum Verkauf. Ein Laden, der gebrauchte Kleidung verkauft. In einem kleinen Shop habe ich neulich Ikea-Gläser entdeckt, eindeutig gebraucht und fast doppelt so teuer, wie in Deutschland. Die Tage brauchte ich unbedingt Tapetenkleister für eine Lampe die ich basteln wollte. Sadat und ich haben bestimmt 10 Läden abgeklappert bis wir ein Päckchen erstanden haben.                                                                                                                                                                                    Natürlich, manchmal wünsche ich mir einen Baumarkt oder sonst einen großen Laden in dem man sofort, alles nötige  bekommt und nicht stundenlang in allen möglichen Shops suchen muss. Was aber, würde dann aus all den kleinen Geschäftsleuten werden. Und mit ein bisschen Geduld haben wir bis jetzt eigentlich immer alles bekommen was wir brauchten. Die besten Mango die wir seit langem gegessen haben, stammten von einer dieser Frauen die ihre Ware auf den Köpfen tragen, sie stand vor unserem Auto und bot die Mangos an. Kurz bevor es dunkel wird, setzen sich zwei Frauen aus unsere Nachbarschaft an die Straße und verkaufen für ein bis zwei Stunden gegrillte Maiskolben, das nötige Equipment tragen sie natürlich auch auf dem Kopf. Diese kleinen Essensstände findet man besonders am Abend in ganz Arusha.                                                                                                                                                                                                                                                                      Und dann gibt es noch den Schuster der von Haus zu Haus zieht und für „kleines Geld“ sogar Flip Flops repariert. Vor einiger Zeit habe ich mir von ihm meine Lieblingsschuhe reparieren lassen, dabei diskutierten wir friedlich mit Sadats Hilfe über Religion. Die Schuhe sind immer noch fast wie neu.

Irgendwie geht das Leben weiter, sagen viele, und wenn es Gott gut meint, ist morgen vielleicht ein bisschen besser.

 

 



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Kommentare: 4
  • #1

    Norbert Kappenstein (Dienstag, 26 Februar 2019 17:53)

    Hallo Elske,
    das war wieder richtig spannend zu lesen.
    LG Norbert

  • #2

    Dorothea Weckmann-Piper (Dienstag, 26 Februar 2019 20:00)

    Hallo Elske,
    Aus Deinem spannenden Bericht sehe ich wieder, wie wir in Luxus leben,
    und mit wie wenig wir auskommen könnten.
    Danke, dass Du auf diese Weise mit uns in Kontakt bleibst.
    Alles Gute weiter, und liebe Grüße, Dorothea

  • #3

    Ulla Holbein (Montag, 04 März 2019 07:48)

    Moin Elske,
    wieder mal hab ich deinen Bericht mit Spannung gelesen und genau, "was geht es uns doch so gut!"...
    Das weiß man erst wieder richtig zu schätzen, wenn man deinen Artikel liest!...
    Wir haben hier wirklich alles reichlich und im Überfluss und doch ist ein Großteil nicht zufrieden und wird es auch nie sein!
    Dank dir für die äusserst interessanten Berichte aus deinem jetzigen Leben, die du irgendwann gebündelt in einem Buch veröffentlichen solltest! :)
    Habt alle zusammen eine schöne angenehme Woche!...
    Und ein paar Streicheleinheiten an deine/eure süssen Felltiger! :) So niedlich!
    LG Ulla

  • #4

    Christa Regina (Freitag, 08 März 2019 10:31)

    Hallo liebe Elske
    Auch diesen spannenden Bericht habe ich wieder mit großem Interesse gelesen. Wenn man das alles liest, weiß man genau, wie gut wir es hier haben. Aber sind wir deshalb glücklicher?
    Das bezweifle ich sehr stark. Denn je mehr die Menschen haben, desto mehr wollen sie.
    Danke, dass Du uns durch diesen Block an Deinem neuen Leben teilhaben lässt. Wie Ulla schon schrieb, solltest Du wirklich ein Buch schreiben. Du schreibst so spannend, dass man einfach weiterlesen muss.
    Alles, alles Liebe und Gute Dir und Deinen Lieben. Sei gesegnet und lieb gegrüßt von Christa