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the beauty of human skin


Wer kennt das nicht, die Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren. Ich zum Beispiel finde meinen Ohren zu groß, meine Haare viel zu fusselig und meine Beine, na ja.                                                                                                                                                                                                Viele meiner Geschechtsgenossinnen, lassen sich Lippen, Nase und den Busen korrigieren, vorausgesetzt sie können es sich leisten, um irgendeinem Schönheitsideal zu entsprechen. Das ist in der westlichen Welt schon lange nichts neues, viele Stars und Sternchen zeigen stolz ihre Ergebnisse chirurgischen Könnens. Ein Schönheitsideal, das sich viele leisten können, ist eine gut gebräunte „Urlaubshaut“.                   Ganz anders sieht es damit in Afrika aus, hier ist eine helle Haut erstrebenswert. Um dies zu erreichen, bleichen sich Millionen afrikanischer Frauen regelmäßig ihre Haut.

 

Fahre ich durch Arusha fallen mir diese Frauen oft auf, Tansanierinnen  mit einer merkwürdig, fahlen, gelblichen Haut. Manche dieser Frauen schützen sich mit einem Schirm vor der Sonne, andere sind trotz der Hitze dick eingemummelt. Nachdem ich öfter „weiße“ Afrikanerinnen gesehen hatte, befragte ich Sadat, in der Annahme, dass es sich um eine obskure Hautkrankheit handeln müsse.                                             Sadat belehrte mich eines besseren und ich fing an, im Internet zu recherchieren.

 

Noch gibt es nicht viele Artikel die sich mit dem Thema des Hautbleichens beschäftigen und ob es die Betroffenen erreicht bleibt fraglich.

 

Die Zahlen sind erschreckend, laut der Weltgesundheitsbeörde WHO benutzen in Mali 25% der Frauen Produkte um die Haut aufzuhellen, im Senegal sind es 27%, in Togo 59% und in Nigeria sogar 77% aller Frauen.                                                                                                                          Für Ostafrika habe ich keine Prozentzahlen gefunden, aber sie wird leider nicht bei 0% liegen, ansonsten hätte sich der Präsident von Ruanda, Kagame nicht zu einem Verbot dieser Produkte entschlossen.                                                                                                                                             Das Verbot wurde sehr gemischt aufgenommen unter anderem wurde Kagame Bevormundung seiner Bürgerinnen vorgeworfen, einem Weißen  würde man ja auch nicht verbieten sich mit Selbstbräuner einzureiben.                                                                                                            Der Vergleich hinkt, wie ich meine, Menschen die Selbstbräunungscremes benutzen, riskieren  nicht ihre Gesundheit, sondern sehen eher Zebragebräunt aus.                                                                                                                                                                                                                     Ganz anders sieht es mit vielen dieser Bleichmittel aus, auch wenn sie mit harmlosen Namen wie“ Fair Light“ oder „Diamond White“ daher kommen. Nicht wenige dieser Produkte enthalten gefährliche Inhaltsstoffe wie z.B. Quecksilber und verursachen nicht nur schwere Hautschäden sondern z.B. auch Nierenschäden, Diabetes, Bluthochdruck oder psychische Beeinträchtigungen wie Angstzustände.                   Trotzdem riskieren Millionen afrikanischer Frauen ihre Gesundheit und greifen zu diversen Cremes.                                                                          Es gibt scheinbar ungefährliche Produkte von Namhaften Anbietern, zu hohen Preisen, die sich hier auf dem Kontinent nur sehr wenige leisten können. Eine große Zahl an Frauen greift auf gepantschte Cremes zurück.                                                                                                        Laut „dpa“ kommen diese Produkte aus dem Kongo, Kamerun oder Indien. Bei einigen Produkten stehen die giftigen Inhaltsstoffe gut sichtbar auf der Verpackung, trotzdem erzielt es keine abschreckende Wirkung, der Wunsch nach einer helleren Haut ist einfach größer.    Über 30% der Frauen klagen schon nach kurzer Zeit  über eine juckende extrem empfindliche Haut die keinerlei Sonne verträgt. Viele dieser Frauen nehmen trotzdem die Beeinträchtigungen in Kauf und sind stolz auf ihre vermeintliche schönere Hautfarbe.

 

Die Gründe für das zweifelhafte Schönheitsideal scheinen vielfältig zu sein,  im Fernsehen und Magazinen werden Berühmtheiten mit heller Haut gezeigt, eine südafrikanische Sängerin bekannt als "Mshoza" gab öffentlich bekannt, dass sie ihre Haut hatte aufhellen lassen und sich nun deutlich selbstbewusster fühle.                                                                                                                                                                                       Selbst eine Namhafte Firma wie Nivea beteiligte sich an Werbekampagne mit dem Slogan „For visibly fairer skin“, was in etwa mit „für sichtbar hellere Haut“ übersetzt werden kann. Dieser Slogan brachte dem Unternehmen allerdings einen weltweiten Boykottaufruf ein und löste in Westafrika eine Rassismusdebatte aus.                                                                                                                                                            Trotzdem eifern vor allem junge Mädchen und Frauen den Beautyprinzessinen von Nivea und Co nach.

 

Aber nicht nur die Werbung scheint für das Streben nach einer hellen Haut verantwortlich zu sein.                                                                             In einem durchaus schlüssigen Artikel macht Nana Adae Amoakoh, eine Journalistin aus Ghana, die Nachwirkungen des jahrhundertelangen Kolonialismus dafür verantwortlich. Das Streben nach einer helleren Haut hat ihrer Meinung nach nicht viel, mit einem merkwürdigen Schönheitsideal zu tun, sondern wird mit sozialem Aufstieg gleichgesetzt.  Die weiße Hautfarbe wird mit einem wohlhabenden und anspruchsvolleren Lebensstil assoziiert.  Wer „weißer“ ist, hat bessere Chancen im Leben. Gerade aus diesem Grund sind Bleichmittel besonders in den Slums des afrikanischen Kontinents so beliebt.

 

Es gibt auch hier in Tansania, die Meinung, dass Männer lieber eine Frau mit einer helleren Haut bevorzugen. In einer Kultur in der soziale Status noch meist durch eine Heirat erworben wird, biete das Bleichen der Haut eine schnelle Lösung an.

 

Ob ein reines Verbot dieser Produkte, wie in Ruanda oder anderen afrikanischen Ländern, Wirkung zeigen wird, bleibt sehr fraglich. In Südafrika gibt es schon länger ein solches Verbot und trotzdem blüht der Handel mit Aufhellern bestens.

Neben den Verboten braucht es gutgezielte Aufklärungskampangen, angefangen in den Schulen, damit sich die Sichtweise auf Dauer ändert.

Es gibt Stimmen, die meinen, eine Rückbesinnung auf die Ideale der 1960er Jahre, dessen wichtigste Botschaft lautete „ Black is beautiful“ müsse inszeniert werden.

 

Wünschenswert ist sicherlich eine Welt, in der das äußere Erscheinungsbild kaum mehr eine Rolle spielt und in der wir Menschen lernen, dass gerade in der Vielfalt unser größtes Potenzial liegt, um die Probleme der Welt zu lösen.

Nach dem Motto:  „the beauty of human skin is in every color.“

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Rebekka (Dienstag, 12 März 2019 22:11)

    das wird wohl ein Wunsch bleiben. Das Phänomen habe ich auch schon in Asien beobachtet. Ich wusste nicht, dass es in Afrika auch so verbreitet ist. Michael Jackson ist wohl der bekannteste "gebleichte". Schlimm ist wirklich, dass die Mittel gefährlich sind. Aber so Modeerscheinungen oder Schönheitsideale gibt es ja viele ..bei uns jetzt die Tattoo-Welle. In Afrika und Asien auch immer wieder Körperverstümmelungen die dann als schön gelten.
    liebe Grüsse Rebekka

  • #2

    Marion Stevens (Freitag, 15 März 2019 16:46)

    In Indien/Radjasthan ist mir aufgefallen, dass die meisten z.T. riesigen Werbeplakate Europäer, also Menschen mit "weißer" Haut zeigten. Für mich völlig unverständlich, da mir viele Inderinnen vor allem seeehr schön und attraktiv vorkamen.
    Dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe unbedingt uns Bleichen ähneln wollen und damit ihre Gesundheit ruinieren, kann ich nur mangelndem Selbstbewusstsein zuschreiben oder massivem Druck von außen (Werbung, Meinungsbildung...) . Aber: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, so sagt man doch. :-)
    Liebe Grüße vom nassen
    Niederrhein

  • #3

    Norbert Kappenstein (Samstag, 16 März 2019 15:29)

    Hallo Elske,
    wieder sehr interessant zu lesen Dein Bericht, auch wenn das bei mir ein
    wenig Kopfschütteln erzeugt. Dass es so verbreitet ist wusste ich nämlich nicht.
    LG Norbert