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Aufbruch nach Zanzibar


Es schüttet wie aus Kübeln, seit vier Tage fast unaufhörlich, der Garten steht unter Wasser, mit unserem Wagen kommen wir nicht vom Fleck, erstens hat die Batterie endgültig ihren Geist aufgegeben und zweitens ist es kaum möglich durch die tiefen Pfützen rund um unser Haus zu kommen. Um im nächsten Shop einzukaufen, laufen die Gummistiefel voll und man wird bis auf die Haut nass. Regenzeit auf Zanzibar, sie kam ein paar Wochen zu spät, aber sie ist da und wir haben es auch geschafft. Gottlob sind wir vor dem ganzen Schlamassel auf Zanizibar angekommen.                                                                                                                                                                                                                                 Seit sechs Wochen leben wir nun hier auf der Insel, mittlerweile fühlt es sich auch nach Zuhause an, trotz des Regens, den nassen Klamotten und allen möglichen und unmöglichen kleinen Hindernissen.

 

Die letzten Wochen in Arusha saßen wir  auf heißen Kohlen und konnten unsere Abfahrt kaum erwarten. Wir hatten mit der „alten Besitzerin“ vereinbar uns Mitte April auf Zanzibar zu treffen, um gemeinsam alle nötigen Formalitäten, die zum Kauf eines Hauses nötig sind, zu erledigen.

Ein paar Wochen vor dem geplanten Umzug wurde ich unruhig und drängelte Sadat immer mehr nach einem Transportunternehmen zu suchen, ich wollte nicht all unsere Sachen in Arusha lassen  und konnte mir auch nicht vorstellen, dass sich so ein Umzug kompliziert gestalten würde. Bei Zoom-Africa fand ich einige Unternehmen die zum Teil damit warben, weltweit alle möglichen Dinge zu transportieren. Sadat telefonierte mit Unternehmen die zum Beispiel nur Tomaten von Arusha nach Mwanza bewegen, oder irgendwelche Güter von China nach Dar-es-Salaam verschiffen konnten. Einen ganz normalen Umzug von einem Teil des Landes in einen anderen Teil zu bewältigen, davon hatten die meisten noch nichts gehört.                                                                                                                                                                                                   Wir wollten schon fast aufgeben und uns einen LKW leihen, da fand ich durch Zufall ein Transportunternehmen, die bereit waren für uns zu arbeiten. Zwei Angestellte kamen vor bei und erstellten akribisch eine Liste mit all den Dinge die wir mitnehmen wollten. Waschmaschine, Herd, Kleidung usw. Sie versprachen innerhalb von zwei Tagen einen Kostenvoranschlag zu erstellen, zwei Tage vergingen, nichts. Sadat setzte sich erneut mit ihnen in Verbindung und wir bekamen das Versprechen, dass der Kostenvoranschlag in zwei weiteren Tagen  per E-Mail bei uns wäre.

Wir ließen zwischen durch unseren Wagen durchchecken und versuchten im Internet, Architekten für die Renovierungsarbeiten, für das Haus auf Zanzibar ausfindig zu machen. Die Jungs wurden zunehmend nervöser, auch wenn sie sich auf das neue Zuhause freuten, Kinder mögen im Grunde keine großen Veränderungen.

 

Mit der „alten“ Besitzerin des Hauses standen wir per Whatsapp in Verbindung und auch sie schien beunruhigt, ob wir zum vereinbarten Termin auf Zanzibar ankommen würden. Nach einigen Mühen hatte Sadat einen Angestellten der „Autofähre“ kontaktieren können, der uns mit den nötigen Informationen versorgte, um wenigsten unseren Wagen wie geplant mit nach Zanzibar zu nehmen. Zwischen Dar-es- Salaam und Zanzibar kann man nur zweimal in der Woche sein Auto verschiffen lassen und benötigt dazu noch einige Papiere, das alles hörte sich nicht so sehr kompliziert an.

 

 Irgendwann meldete sich das Transportunternehmen sie würden unsere Sachen per Flugzeug via Addis Ababa nach Sansibar verfrachten wollen, die Kosten noch unbekannt. So einen blödsinnigen Vorschlag hatte ich schon lange nicht mehr gehört, es war zum Haare raufen. Ein privater LKW-Fahrer, den Kontakt hatten wir durch einen Freund vermittelt bekommen, erwies sich als eher unzuverlässig, also auch keine Option. Ich schimpfte wie ein Rohrspatz und war ein paar Tage ziemlich schlecht gelaunt.                                                                                          Aus einem Impuls heraus, rief Sadat erneut das Transportunternehmen an, diesmal sprach er mit dem Chef der Agentur, der von uns und unserem Anliegen noch nichts gehört hatte. Der Umzug mit dem Flugzeug stellte sich als kompletter Unsinn heraus, scheinbar hatten die zuständigen Angestellten keine große Lust verspürt unseren Umzug vernünftig zu planen. Der Chef des Unternehmens stellte sich als recht kompetent heraus, bei zwei Treffen mit ihm war unser Umzug samt Termin vereinbart.                                                                                                Ich bin in meinem Leben schon ziemlich oft umgezogen, eine Umzugsfirma hatte ich nie involviert, ich war also recht gespannt, wie sich das Ganze gestalten würde.

Wir alle waren selbstverständlich davon ausgegangen, dass wir Garfield mit ihren Kindern mitnehmen  würden, sie sollten uns im Auto begleiten. Mit Schwierigkeiten hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Durch ein zufälliges Gespräch mit dem Chef der Umzugsfirma, erfuhren wir, das die Katzen bestimmte „Einfuhrpapiere“ für Zanzibar benötigen würden und außerdem eine Erlaubnis um von Arusha nach Dar-es- Salaam transportiert werden zu können. Wir bekamen die Telefonnummer eines Tierarztes  im Arusha, nach einem Gespräch mit ihm war klar, dass wir die Katzen nicht mitnehmen konnten, sie zu „schmuggeln“ war uns viel zu riskant. Kassim war am Boden zerstört, all unsere Erklärungen konnten ihm nicht trösten. Der Zufall half uns, kurz vor dem Umzugstermin, die vier wenigsten in gute Hände zu geben. Dass sie weiterhin ein gutes Leben haben würden tröstete Kassim nur mäßig, es flossen reichlich Tränen.

 

Wir meldeten die Kinder an ihrer Schule ab und bekamen einige Papiere um sie auf Zanzibar wieder anzumelden, einige Zeit später sollte sich herausstellen, dass einige Dokumente fehlten.

 

Am Sonntag den 24 März war es dann endlich soweit, punkt 7 Uhr morgens standen die Möbelpacker vor der Tür. Sie hatten etliche Kartons, Pappen, Folie usw. dabei, gut gerüstet um alle unseren Sachen einzupacken.                                                                                                              Unser gesamter Umzug würde von dem LKW auf die Fähre nach Zanzibar umgepackt werden, um auf Zanzibar auf einen anderen LKW umgeladen zu werden. Es musste also alles absolut bruchsicher verpackt sein.                                                                                                             Fünf junge Männer arbeiteten in Akkordzeit, ich durfte dabei keinen Finger krümmen, gegen Mittag war unser Hausrat verstaut, der LKW würde allerdings erst am Montag losfahren, um dann am Dienstag unseren Hausrat auf die Nachtfähre zu verladen. In unserem Auto hatten wir alles dabei, was wir für ein paar Tage benötigen würden, falls es Probleme geben sollte. Mein tansanischer Führerschein, war nach über drei Monaten Wartezeit, drei Tage vorher eingetroffen, ich konnte Sadat also auf der Fahrt nach Dar-es- Salaam ablösen.

Wir wollten die Fähre am Dienstagmittag nehmen, hatten also zwei Tage Zeit um nach Dar-es-Salaam zu kommen.

 

 Die Freunde von Mini und Kassim waren gekommen, um sich zu verbschieden. Alle hatten einen dicken Kloß im Hals und auch Mbaraka fiel der Abschied von uns sichtlich schwer, auch wenn wir ihn finanziell unterstützen, muss er ohne uns sein Leben gestalten, aber mit fast 27 Jahren kann man auch mal ins kalte Wasser springen, er hat gute Freunde in Arusha die ihn moralisch unterstützen und wir können so oft es geht per Whatsapp oder Telefon kommunizieren.

Sadat gab das Kommando zur Abfahrt, wir wollten bis zum Einbruch der Dunkelheit fahren und uns vorab noch mit einer Pizza stärken. Die Pizza brachte die Jungs kurz auf andere Gedanken, ansonsten waren sie an diesem Nachmittag recht schweigsam und hingen ihren eigenen Gedanken nach. Sadat überließ mir das Steuer. Es gab nur wenig Verkehr, ich genoss die Fahrt und gewöhnte mich schnell an die Straßenverhältnisse. Gut, dass meine Kamera weit hinten im Auto verstaut lag, ansonsten hätte ich doch öfter angehalten um ein paar Landschaftsaufnahmen zu machen, was die Jungs eher gelangweilt hätte.                                                                                                                       Vor Moschi löste mich Sadat ab, in Stäten fühlte ich mich nach wie vor noch unsicher und bin froh wenn Sadat fährt. Bis zum Einbruch der Dunkelheit kamen wir gut voran und konnten uns ein Motel in Same nehmen, eine kleine Stadt im Nirgendwo zwischen Arusha und Dar-es- Salaam. Eine warme Dusche und ein warmes Essen, danach schliefen wir alle ziemlich erschöpft bis zum nächsten Morgen durch.

 

Am Montag schafften wir es dann, am frühen Nachmittag in Dar-es-Salaam anzukommen. Kurz vor der ehemaligen Hauptstadt von Tansania, fuhr Sadat weiter, die lange Strecke hatte mir viel Sicherheit gegeben, aber für Dar-es-Salaam fehlten mir die Nerven. Für die letzten 15 Kilometer zum Hotel brauchten wir dann auch eine kleine Ewigkeit.

In Ruhe duschen, eine Kleinigkeit essen und dann ins Bett, so endete dieser Tag, der Dienstag versprach anstrengend zu werden.

 

Dienstagmorgen mussten wir früh aufbrechen, wir sollten unser Auto spätestens um 10:00 Uhr am Fährhafen abgeben.                                    Wir starteten um 7:30 Uhr und benötigten für 10 Kilometer zwei Stunden um  uns durch den wirklich wahnsinnigen Berufsverkehr zu quälen. In diesen zwei Stunden wünschte ich mir mehr als einmal, eine Klimaanlage für das Auto. Smog, Hitze und diese furchtbar hohe Luftfeuchtigkeit, dazu der Stopp-end-Go-Verkehr ließen uns alle recht schweigsam werden. Unsere gekühlten Getränke hatten in null, Komma nichts Körpertemperatur erreicht.                                                                                                                                                                                               Ich hatte bei der Abfahrt die Idee, einen Routenplaner in meinem Handy zu aktivieren, tatsächlich ließ dieser uns nicht im Stich und wir kamen ohne große Umwege pünktlich  am Hafen an. Sadat musste sich nun durchfragen, aber es gibt immer wieder Männer, die für wenig Geld, den Lotzen spielen. Ich hatte mir die Verladestation für die Autos anders vorgestellt, wir hielten vor einer riesigen Lagerhalle, Sadat telefonierte mit unser Kontaktperson der kurz darauf auftauchte. Sadat bezahlte den Fährpreis und übergab dem Angestellten unsere Autopapiere samt Wagenschlüssel, wir beluden uns mit unserem Gepäck, um die nächste Fähre zu bekommen. Mir war ein wenig mulmig zumute, den Wagen einfach jemandem Fremden zu überlassen, um darauf zu hoffen, dass unser Auto am nächsten Morgen in Zanzibar ankommen würde.

Eigentlich lasse ich ungerne mein Gepäck von jemand andrem schleppen, an diesem Vormittag war ich heilfroh, das sich ein Gepäckträger fand der uns half die Sachen zum Anlieger zu bringen, in der Schalterhalle ließ ich mich einfach auf den Boden plumpsen, froh aus der Sonne im Schatten abzukühlen. Zwei Stunden später konnten wir auf der Fähre einchecken, nach zwei weiteren Stunden erreichten wir Zanzibar.

 

Unser Auto sollte am nächsten Morgen um 7:00 ankommen, wir suchten erneut ein Hotel für uns vier und hatten ein wenig Muße, mit den Kindern durch Stone-Town zu bummeln, wir aßen in Ruhe zu Abend um anschließend ziemlich erschöpft einzuschlafen. Nicht nur mir machte der Klimaumschwung etwas zu schaffen.

 

Punkt 7:00 am nächsten Morgen standen Sadat und ich am Hafen, um unseren Wagen in Empfang zu nehmen. So genau wussten wir nicht, was jetzt auf uns zu kommen würde und wo wir unseren Wagen finden würden. Klar war, unser Auto brauchte ein sansibarisches Nummernschild und wir einen vorläufigen sansibarischen Führerschein. Wir hatten mal wieder Glück und trafen einen alten Bekannten von Sadat. Dieser kannte Jemanden, der Irgendwen kannte, der uns weiterhelfen würde. Hier auf Zanzibar ist es gut jemanden zu kennen, der jemanden kennt, der helfen kann. Natürlich immer für eine kleine finanzielle Unterstützung.

Kurz darauf tauchte „Jemand“ auf und versprach uns, die nötigen Papiere zu besorgen, den vorläufigen „Touristenführerschein“ gültig für drei Monate erhielten wir innerhalb einer Stunde, die „Einfuhrpapiere“ innerhalb von zwei Stunden samt unseres Autos das wirklich in Zanzibar angekommen war, in einem Stück und wohlbehalten. Wir konnten so mit unserem Wagen nach Paje fahren, mussten dann allerdings eine Woche auf die neuen Kennzeichen warten.

Am späten Vormittag erreichten wir Paje, auf der Fahrt wurden wir zum Glück nur einmal von einer Polizeikontrolle angehalten, Sadat musste erklären, warum wir kein „vernünftiges“ Nummernschild besaßen, 10000 Tsh. wechselten die Tasche.                                                                   Unser Hausrat war schon angekommen, alle Kisten und Kartons waren vollzählig, außer einer Tasse war wirklich nichts zu Bruch gegangen.

 

Kapitän  Sühleman, hatte alles In Empfang genommen und schon die meisten Kisten mit seinem Sohn in den Garten getragen. Käpitän Sühleman hatte sich in den drei Jahren, in denen das Haus leer stand, um alles gekümmert. Er hatte schon Jahre zuvor für die alte Besitzerin viel geregelt und für sie gearbeitet,  in den kommenden Wochen würden wir noch sehr oft seine Hilfe in Anspruch nehmen. Warum er sich Kapitän nennt, weiß ich bis heute nicht. Bevor wir unsere Betten aufbauen konnten und das nötigste auspacken konnten, schrubbten Sadat und ich wie verrückt um es wenigsten ein bisschen sauber zu haben. Die Jungs waren bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht zu sehen, sie plantschten vergnügt im indischen Ozean.

Spät abends hatten wir unsere Betten aufgebaut, in der Küche stand unser Tisch, der Herd war kochbereit und wir hatten für ein paar Tage Lebensmittel eingekauft.

 

Vor dem Einschlafen ließen Sadat und ich die letzten Tage Revue  passieren.

Es war ein eigentümliches Gefühl, erneut auf Zanzibar anzukommen, diesmal nicht als Urlauber, nicht für kurze Zeit, nicht mal so eben so. Wir hatten außer unseren Klamotten viele Pläne im Gepäck, hoffnungsvoll, aufgeregt, ein wenig ängstlich, so viele unterschiedliche Gefühle stürmten auf uns ein. An diesem Abend lass ich Sadat die ersten Zeilen aus Herman Hesses Stufen-Gedicht vor: „Und jedem Anfang liegt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

 

Bis Sophie die „Noch-Besitzerin“ des Hauses auf Zanzibar landen würde, hatten wir eine Woche Zeit um uns ein wenig häuslich einzurichten und in Paje anzukommen.

 

(Im nächsten Bericht erzähle ich Euch dann wie sich der Hauskauf gestaltete und mit welchen kleinen Hindernissen wir zu kämpfen hatten. ) 

 

 

 


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Kommentare: 5
  • #1

    Butterfly53 (Gerda) (Mittwoch, 15 Mai 2019 18:42)

    Liebe Elske!
    Eine wunderbare Berichterstattung..man denkt, man ist dabei ;-) Freue mich auf die Fortsetzung.
    Ich wünsche Euch in Eurem neuen Zuhause alles Gute!

    Liebe Grüße Gerda

  • #2

    Gerda (Mittwoch, 15 Mai 2019 18:43)

    Ich weiß nicht...warum mein Eintrag nun 2 x zu lesen ist!
    Liebe Grüße Gerda

  • #3

    Norbert Kappenstein (Mittwoch, 15 Mai 2019 19:13)

    Hallo Elske, das war ja mal wieder spannend zu lesen.
    Bin schon gespannt wie das weiter geht.
    LG Norbert

  • #4

    Ruth U. (Mittwoch, 15 Mai 2019 20:12)

    Elske, ich bewundere Euch, dass Ihr das alles durchgestanden habt. Vieles ist doch schwieriger als hier.
    Ich drücke die Daumen, dass Ihr in Eurem neuen Zuhause immer glücklich seid.
    LG Ruth

  • #5

    Christa Regina (Sonntag, 19 Mai 2019 12:40)

    Hallo Elske
    Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Dein Leben ein einziges Abenteuer ist. Dagegen ist meines richtig langweilig. Wunderbar wieder Dein Bericht. Er ist so spannend, dass ich jedes Wort gelesen habe. Du solltest wirklich ein Buch schreiben. So spannend und interessant.
    Auch ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ob eure Entscheidung richtig war. Ich wünsche es euch von Herzen.
    Ganz liebe Grüße aus dem fernen Deutschland sendet Dir Christa