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Hauskauf auf Sansibar



Nach unserer Ankunft hatten wir 9 Tage Zeit, um uns auf Sansibar ein wenig einzuleben, es war kurz vor Ostern, die Kinder wollten wir aber erst nach den Osterferien in die Schule schicken. Auch wenn Sansibar zu 95% muslimisch ist, es gibt Osterferien.                                                 Das Wetter zeigte sich von seiner schönsten Seite, blitzblauer Himmel, türkisfarbenes Wasser, wir genossen den indischen Ozean in vollen Zügen. Ich gestattete mir den Luxus, früh am Morgen, mit einer Tasse Kaffee am Strand zu sitzen um der Sonne beim Aufgehen zu zuschauen, jeden Morgen wurde ich mit einer anderen Stimmung begrüßt. Die Jungs spielten ausgelassen mit Sadat am Strand Fußball. Zu viert tobten wir im Wasser. Vor unserem Haus liegt ein großer, freier Platz, hier treffen sich am Nachmittag Jungen um Fußball zu spielen und Kassim fand sehr schnell Anschluss. Mini spielte in den ersten Tagen lieber am Strand. In Arusha konnten sie sich bei weitem nicht so frei bewegen wie hier. Sadat genoss es, fangfrischen Fisch direkt am Strand zu kaufen.

 

Mit unserem Wagen konnten wir  vorerst nur in Paje fahren, die gültigen Nummernschilder waren noch nicht bei uns angekommen, aber hier in Paje gibt es keine Verkehrskontrollen, also trauten wir uns, Einkäufe zu erledigen. Durch die kleinen Shops und zwei kleine Supermärkte konnten wir uns hier mit allem Notwendigen versorgen, außerdem hatten wir eine Menge zu tun.                                                                           Der Brunnen war seit drei Jahren unbenutzt, er musste dringend vom Sand befreit werden. Kapitän Süleyman schickte jemanden vorbei, innerhalb von vier Stunden lief das Wasser, die  elektrische Leitungen waren marode geworden, Kapitän Süleyman schickte jemanden vorbei, meine Waschmaschine wollte nicht laufen, ein Anruf von Kapitän Süleyman reichte und ein „Fundi“ kam vorbei.

 

„Fundi“ ist die Bezeichnung für Handwerker, egal ob Maurer, Eklektiker, Tischler alles fällt unter den Namen „Fundi“ und so werden sie auch angesprochen.  Merkwürdigerweise sagen die Fundis hier in Paje nicht, was sie für ihre Arbeit bekommen wollen. Sadat fragte z.B. den Mann der den Brunnen gesäubert hatte:“ Sag mal, was bekommst du?“ Dieser antwortete darauf:“ Sag mal was Du geben willst.“  Was soviel bedeutet, wie viel ist dir meine Arbeit wehrt oder auch,  wie viel hast du übrig. Für uns Europäer ist diese Art des Denkens äußerst befremdlich, gerade bei Handwerkern, die ja schon die Anfahrt in Kosten stellen. Was sind vier Stunden buddeln in brütender Hitze wert? Ich lasse solche Dinge ausschließlich Sadat regeln, für die hiesigen Verhältnisse bezahlt er fair.                                                                                       Nur bei Mapo machte ich eine Ausnahme und handelte den Preis aus. Mapo kommt und holt unseren Müll ab, Restmüll, Plastikmüll, Grünabfall, Schutt. Mapo kommt mit seinem kleinen LKW und lädt alles auf. Mapo lacht immer, ist immer gut gelaunt und freundlich, ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen. Ich weiß nicht wohin er den Müll bringt, es gibt keine Recyclinganlagen. Er bekommt immer 10000 Tsh. pro Ladung von uns, dass sind ca. 4 Euro,  egal ob der LKW voll ist oder nicht, mit meiner Bezahlung ist Mapo sehr zufrieden und ich bin es auch.

  

Die erste Woche war ausgefüllt mit allen möglichen Arbeiten, außerdem entdeckte Sadat sein Herz fürs Heimwerkern, er zimmerte seinen ersten Tisch für die Veranda, reparierte einen Liegestuhl usw.

 

Wir hatten im Internet ein paar Architekten auf Sansibar ausfindig gemacht, der erste stellte sich gleich nach ein paar Tagen vor, noch sehr jung, mit scheinbar wenig Erfahrungen im Sanieren von Häusern. Er hatte noch nicht mit Europäern gearbeitet,  wir beschrieben unsere Vorstellungen die er nicht nachvollziehen konnte. Er fand das Grundstück schön, das Haus würde er eher abreißen lassen, ansonsten schätze er den Umbau auf 80000 Dollar. Nein, mit ihm wollten wir nicht arbeiten. Trotzdem war dieses Treffen nicht umsonst, uns wurde (mal wieder) klar, dass sich der Baustil den die Tansanier bevorzugen, deutlich von dem europäischen Geschmack unterscheidet. Europäer in Tansania und vielleicht in gesamt Ostafrika bauen gerne im afrikanischen Stil, Dächer mit Palmblättern, afrikanische Stoffe und Baumaterialien die von hier stammen usw. Tansanier lieben, um es mal salopp auszudrücken, chinesischen Schnickschnack, je plüschiger umso besser.

 

Ein paar Tage später bekamen wir von einem zweiten Architekten Besuch, er ließ sich das Haus zeigen, konnte meine Vorstellungen nachvollziehen, zeigte auf die Schwachstellen des Hauses und ließ uns charmant wissen, dass unser Vorhaben ein viel zu kleines Projekt für ihn sei. Schade, ich war von der ruhigen Art des Mannes recht angetan und auch Sadat fand ihn sympathisch. Wir diskutierten erneut, ob wir wirklich einen Architekten benötigten oder vielleicht doch alleine den Umbau mit Hilfe von Handwerkern aus Paje in Angriff nehmen sollten. Letztlich entschieden wir uns, weiter nach einem Architekten zu suchen.

 

Am Freitag den 5 April landete dann Sophie auf Sansibar. Sie bekam das Zimmer von Kassim und Mini,  wir machten es uns zu viert in unserem Schlafzimmer gemütlich, für 14 Tage konnten wir zusammen rücken. Sophie hatte nur zwei Wochen Zeit, wir mussten uns also etwas beeilen um alle nötigen Formalitäten zu erledigen. Ein Hauskauf auf Sansibar funktioniert nicht wie in Deutschland und unterscheidet sich deutlich von dem Prozess auf dem Festland.   Nicht-Sansibarern können Land nicht besitzen sondern nur pachten. Sadat wusste so einiges darüber und wir waren davon ausgegangen, dass Sophie über alle einzelnen Schritte informiert wäre, sie hatte das Haus ja mal gekauft.

 

Am ersten gemeinsamen Abend besprachen wir unsere Vorgehensweise, Sophie spricht ein sehr gutes Suaheli, gemeinsam sprachen wir allerdings immer Englisch. Wir waren uns auf den ersten Blick nicht unsympathisch, aber Sophies Art alles und jedes mindestens dreimal zu diskutieren  um auch nach einem Konsens das Besprochene wieder in Frage zu stellen, ging mir schnell gehörig auf die Nerven.

 

Sophie hatte im Laufe der Jahre nicht mehr den gesamten Ablauf des Hauskaufes im Kopf. Kapitän Süleyman half, wie so oft in dieser Zeit weiter, wenigsten etwas Licht in die Angelegenheit zu bringen. Ein Bekannter von ihm, der im „Land-Ministerium“ arbeite kam vorbei und brachte ein orangefarbenes Dokument mit. Dieses Dokument ist der Hauptakteur  im gesamten Prozess des Hauskaufs bzw. der Landverpachtung, dazu kommt der Sheha des Ortes, er hat in etwa die Funktion eines Ortsbürgermeisters, mit seiner Unterschrift auf dem orangefarbenen Dokument startet der Prozess. Sadat suchte ihn mit Kapitän Süleyman auf, er versprach am nächsten Tag vorbei zu kommen.

Am nächsten Tag holte Sadat den Sheha mit dem Auto ab, fünf Minuten Fußweg waren ihm wohl zu viel. Vor mir stand ein wirklich sehr alter Mann, der längst das Rentenalter erreicht hatte. Er von uns allen mit dem nötigen Respekt begrüßt. Gleich zu Beginn des Gespräches teilte er uns mit, dass er äußerst schwerhörig sei und sich überhaupt sehr krank fühle. Sadat teilte ihm noch einmal unser Anliegen mit. Der Sheha fing nun an alle möglichen und unmöglichen Fragen zu stellen, er wollte offensichtlich seine Autorität demonstrieren und unterstrich dieses mit einem längeren lautstarken Monolog auf Suaheli. Der Gute war der Meinung, er könne statt der üblichen 20.000 Tsh. für die Bearbeitung, sprich seine Unterschrift,   2.000000 Tsh. verlangen.  Wir waren alle sprachlos, was war jetzt zu tun?

 

Mit viel Verhandlungsgeschick überzeugte Sadat ihn dann, dass 100.000 Tsh. ja auch kein schlechtes Geschäft wären. Hätten wir auf die eigentliche Bearbeitungsgebühr von 20.000 Tsh. bestanden, wären wir Gefahr gelaufen, dass er den Bearbeitungsprozess schon zu Beginn deutlich verzögert hätte. Der Sheha machte uns nun noch darauf aufmerksam, dass er nur dienstags in die Gemeindeverwaltung, ein paar Kilometer, weiter fahren würde. Wir hatten also noch 6 Tage um das Dokument in Ruhe zu Ende auszufüllen, die dazu nötigen Passbilder zu besorgen um es dann dem Sheha auszuhändigen. So weit so gut.

 

Nun trat die Frage nach der zu zahlenden Steuer auf die Bühne. Auch in Deutschland werden ja bei einem Hauskauf, Steuern fällig.   Wir hatten mittlerweile so viele unterschiedliche Aussagen darüber gehört, dass uns allen der Kopf brummte.                                                             Wir einigten uns, in das zuständige Land- Ministerium in Stone Town zu fahren um hier, hoffentlich die richtigen Antworten zu bekommen.  Das Land- Ministerium ist auf Sansibar vergleichbar mit den Grundbuchämtern in Deutschland. Der Prozess wurde uns erläutert, zum Thema Steuern konnten sie allerdings nichts sagen. Zu diesem Punkt gab es weiterhin die spekulativsten Aussagen, alle irgendwie dramatisch. Sadat fuhr mit Sophie in das zuständige Steueramt, kurz ZRB. Die beiden bekamen auch hier alle nötigen Auskünfte und den Rat, einen Anwalt, zwecks Kaufvertrags zu engagieren.                                                                                                                                                                                           Für Sophie kam nur ein Anwalt in Frage, der von den europäischen Botschaften empfohlen wurde, Sadat und ich legten darauf nicht so viel Wert, wir hätten auch mit einem weniger populären Anwalt gearbeitet, aber ich war es leid, über alles, bis ins letzte zu diskutieren. Dazu kam, dass es mir doch schwer fiel, eine sachliche Diskussion in Englisch zu führen und nicht nur über das Wetter zu plaudern.

 

Sophie kontaktierte den empfohlenen Anwalt, der immerhin so flexibel war, dass er am gleichen Tag vorbei kam, unsere Daten aufnahm, um uns am gleichen Abend den fertigen Kaufvertrag vorzulegen, immerhin für 1,5 % des Kaufpreises. Allmählich lichtete sich auch mit seinem, doch kompetenten Wissen,  für uns der Bürokraten-Dschungel. Jetzt musste Simon, mein jüngster Sohn, nur noch den Geldtransfer für uns, aus Deutschland nach Frankreich abwickeln. Zwei Tage später war das Geld auf Sophies Konto, damit gehörte das Haus offiziell uns. Der Prozess der Landverpachtung ist allerdings noch nicht abgeschlossen und kann sich noch hinziehen.  

 

 Jetzt ein paar Wochen später, kann ich über viele Situationen mit denen wir konfrontiert waren, schmunzeln. Innerhalb dieser zwei Wochen war ich allerdings eher genervt und ich bewunderte meinen Mann doch sehr, er wirkte immer gelassen und konnte auch mit Sophie immer höflich und zuvorkommend umgehen. Gut, dass sich schon unser gesamter Hausrat hier auf Sansibar befand, ansonsten hätten wir in mindestens zwei Situationen auf den Hauskauf verzichtet. Wie so oft im Leben, auch negative Begegnungen gehen vorüber und nach zwei Wochen verabschiedete sich Sophie von uns. Vielleicht hätten wir uns unter anderen Umständen besser verstanden, manchmal stimmt die Chemie einfach nicht, wer weiß das im Nachhinein immer so genau. Positiv ist sicherlich, dass sich mein Englisch in den zwei Wochen deutlich verbessert hat. Mit dem Sheha werden wir in Zukunft hoffentlich nur sehr selten zu tun haben.

 

 Nach Sophies Abreise schaute der dritte Architekt bei uns vorbei.  Ein Kenianer, charmant und lustig, mit scheinbar viel Erfahrung im Sanieren von Häusern. Seine Vorstellungen gefielen mir, er konnte sich wirklich gut verkaufen. Leider war er der Meinung, er könne keinen detaillierten Bau- und Kostenplan aufstellen, dass wäre viel zu umständlich. Er kam ein paar Mal bei uns vorbei, manchmal unangemeldet oder Tage später nach einem vereinbarten Termin. Auch wenn uns seine Vorstellungen gefielen, wir wollten uns nicht übers Ohr hauen lassen.                          Wir mussten also weiter suchen.                                                                                                                                                                                               Über einen Freund von Sadat kam Architekt Nummer vier ins Spiel. Er erstellte einen detaillierten Kostenplan und kam zu allen vereinbarten Terminen pünktlich. Allerdings wollte er uns  Dinge, wie z.B. Fliesen aufschwatzen die wir partout nicht haben wollten und sein Kostenplan erwies sich auf den zweiten Blick als sehr undurchsichtig. Klar war, er wollte möglichst viel Profit machen. Wir überlegten, trotzdem mit ihm zu verhandeln, wir wollten endlich mit dem Umbau beginnen und scheinbar gab es nicht unzählige  geeignete Leute dafür.

 

 Wir hatten mal wieder Glück,  Sadat traf zufällig einen alten Kollegen, der hier in einem Restaurant  arbeitet, das Ambiente des Restaurants gefiel Sadat und er fragte nach den Handwerkern. Es stellte sich heraus, dass das Ganze kein Architekt gebaut hatte, sondern ein junger Bauunternehmer. Sadat bekam die Telefonnummer und Abiola kam zwei Tage später vorbei. Er nahm sich Zeit, hörte sich unsere Vorstellungen an und versprach am nächsten Tag mit ein paar Handwerkern vorbei zu kommen um einen Bauplan zu entwickeln. Abiola war pünktlich, inspizierte gründlich das Haus, stellte uns seine Sanierungspläne vor und versprach einen genauen Kostenplan zu erstellen. Nach ein paar Treffen mit ihm wurden wir uns schnell einig.

 

Der Umbau unseres Hauses hat vor 14 Tagen begonnen.

 

In meinem nächsten Bericht, werde ich Euch dann erzählen wie hier gearbeitet wird, eine durchaus sehr spannende Angelegenheit.

 

 

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Ulla Moswald (Montag, 27 Mai 2019 14:53)

    Liebe Elske,
    viel, viel Glück und Erfolg, gutes Gelingen und allerbeste Nerven wünsche ich dir für den Umbau. Mein Respekt, was ihr da auf die Beine stellt:-) Ich bin gespannt!
    LG Ulla

  • #2

    Christa Regina (Montag, 27 Mai 2019 16:51)

    Wie immer einfach mega spannend. Hab jedes Wort gelesen und bin gespannt wie es weitergeht.
    Viel Mut und Kraft für Alles was da jetzt auf euch zukommt.
    Alles Gute und liebe Grüße von Christa

  • #3

    Gabi (Donnerstag, 30 Mai 2019 07:48)

    Hallo liebe Elske,
    ich bin wie immer nach deinen Erzählungen hier begeistert, wie sich dein Leben gestaltet. Ich freue mich, dass es euch gut geht und es ist sicher auch toll auf Sansibar zu leben. Ich wünsche euch weiterhin eine tolle Zukunft und freue mich wieder von dir zuhören. Alles Liebe von mir.

  • #4

    Marion Stevens (Donnerstag, 30 Mai 2019 13:24)

    Sehr spannend zu lesen, was ihr euch da vorgenommen habt. Ich wünsche euch alles Gute und eine etwas weniger stressige Zeit beim Umbau.
    Viele Grüße
    Marion

  • #5

    Norbert Kappenstein (Freitag, 07 Juni 2019 15:17)

    Hallo Elske,
    Du könntest mir mal ein paar von Deinen Fundis vorbei schicken, hier bei uns gibt es kaum noch welche bzw. die sind so ausgebucht, dass sie gar nicht mehr reagieren :-(
    LG Norbert