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Unser Garten auf Sansibar



Langsam rutscht Krähe den untersten Palmwedel hinab, flattert  wieder zwei Etagen höher um erneut die Rutschpartie zu beginnen.                                                                                                                                             Ich nehme an, dass es sich bei diesem Schauspiel  immer um dieselbe Krähe handelt, die sich so gut wie jeden Morgen, kurz nach Sonnenaufgang diese Vergnügen gönnt.                                                                    Mit einem Kaffee auf der Veranda starte ich in den Tag und erfreue mich an diesem Ritual. Sowohl der Kaffee als auch die Krähe gehören zu diesem Ritual. Nach besagter Rutschpartie stöbert Krähe zwischen den Kokosnüssen nach etwas fressbarem, sie geht dabei nicht besonders sorgsam vor, es fallen des Öfteren kleine unreife Früchte herunter.

 Unsere Kokospalme trägt reichlich Früchte in den unterschiedlichsten Größen, es braucht eine ganze Weile bis sie Reif sind. Von der Blüte bis zur Vollreife benötigt eine junge Kokosnuss etwa ein Jahr.

                                                                                                                                                                                           Hin und wieder steigt Fazil auf die Palme und kappt für jeden von uns eine. Der Saft erfrischt und sättigt enorm.                                                                                                                                                                              Auf den größeren Kokosnüssen dösen gegen Mittag gerne unterschiedliche Arten von Eidechsen im Halbschatten und auch wir profitieren von der schattenspendenen Palme die noch vergleichsweise klein ist. Die Palmen hinter unserem Haus sind gut und gerne 15 Meter hoch.

 

Hin und wieder tobt ein Webervogelpärchen durch unsere Palme, brüten wollen sie leider nicht bei uns, jedenfalls noch nicht.                                                                                                                                                  Auch ein Pärchen Rotbrust Glanzköpfchen lässt sich hin und wieder blicken. Das Männchen ist besonders herrlich anzuschauen, besitzt es doch einen rotschimmernden Bauch. Unsere Kokospalme hat sozusagen ihren eigenen Mikrokosmos.                                                                                                                                        Die Palmwedel einer Kokosnusspalme sind ein beliebter Rohstoff, verarbeitet nennt man sie in Ostafrika Makuti. Ganze Hütten werden damit gebaut, so auch die beliebten Beachbungalows am Strand, viele Dächer sind damit gedeckt. Körbe lassen sich daraus flechten, Sonnenschirme , Hüte und vieles mehr. Das Holz der Palme wird gerne zum Möbelbau genutzt.

 

 Außer besagter Krähe, die im übrigen eine Glanzkrähe ist, landen noch andere Artgenossen auf unserer Palme und benutzen die Wedel als Ausguck. Hier sind die Krähen das Pendant zu den Möwen an der Nordsee, immer auf der Suche nach Beute tauchen sie zahlreich in unserem kleinen Garten auf. Das Gekrächzte ist kaum als Gesang zu beschreiben, obwohl sie zu den Singvögeln gehört, und kann auch ein wenig nervig sein.                                                                                                                                                           Hin und wieder lassen sie sich zielsicher auf das frische Pembagras fallen und rupfen trockene Blätter ab um sie wohl als Nistmaterial zu benutzen.                                                                                                       Pembagras lässt sich gut als sehr robustes Gras beschreiben, Golf kann man auf diesem Rasen nicht spielen, aber einmal angegangen benötigt es nicht so viel Wasser und ist auch mit sandigem Boden zufrieden.

Unser Pembagras wächst jetzt bei der zweiten beginnenden Regenzeit unglaublich schnell und wir müssen uns bald überlegen wie es geschnitten werden soll, modern mit einem Rasenmäher oder doch althergebracht mit einer Art von Sense. Da es sich nur um eine kleine Rasenfläche handelt werden wir wohl auf die zweite Variante zurückgreifen. Sadat ist der Meinung, er hätte das Mähen seit seiner Schulzeit nicht verlernt. An seiner Schule diente das Mähen mit der Sense als Strafarbeit. In Deutschland habe immer ich den Rasen gemäht, hier ist das eindeutig Männersache und ich muss mich diesem Punkt nicht unbedingt emanzipieren.

 

Ich begutachte lieber unsere drei Bananenstauden die wir vor einigen Wochen geschenkt bekommen haben und warte darauf dass sie endlich anfangen Bananen zu entwickeln. Noch tut sich in dieser Hinsicht nichts. Zeigt mir aber, dass Geduld eine der wichtigsten Eigenschaften beim Gärtnern ist. Mich in meinem kleinen Garten in Geduld zu üben fällt mir übrigens deutlich leichter als diese Eigenschaft an der sansibarischen Bürokratie anzuwenden.

 

Aber zurück zu den drei Bananenstauden, deren junge Blätter ein wunderbares sattes Grün tragen. Bevor sie sich entfalten, erinnern sie an eine zusammengerollte Zeitung. Ich würde diesen Vorgang zu gerne mal in einem Zeitraffer beobachten. Es gibt unzählige Bananenarten und ich bin gespannt was wir in einigen Monaten ernten werden.

 

Außer dem satten Grün der Bananenstauden wird unser kleiner Garten von den unterschiedlichsten Grüntönen, angefangen von Flaschengrün, Froschgrün und Rotgrün bis zu einem lichten Gelbgrün beherrscht. Nicht nur die Augen können sich so entspannen. Wassily Kandinsky sagt:“ Grün ist die ruhigste Farbe die es gibt.“

Die große Buganvillea die unaufhörlich kleine  rosafarbene Blüten trägt ist einer der Farbkleckse.        Sadat und Fazil haben ihr ein Holzgerüst gezimmert das in einiger Zeit als Pergola dienen soll, hier im Halbschatten ein gutes Buch zu lesen, verspricht ein Vergnügen zu werden.

 

Über Jahre hatte ich in Deutschland einen Oleander im Topf, der ab Oktober in sein Winterquartier umziehen musste, hier blüht ein großer Oleander das ganze Jahr hindurch. Zwei kleine Schwestern des Oleanders zeigen kleine gelbe Blüten und heißen Alamanda, ob sie wirklich Verwandte von Olivia sind weiß ich nicht genau aber mir gefällt die Vorstellung.

Ein großgewachsener Frangipani lehnt etwas windschief an unserem Tischlerschuppen. Ich hatte nach all den Umbauarbeiten angst er würde uns eingehen, verlor er doch innerhalb von zwei Wochen alle Blätter. Sadat beruhigte mich, sie werfen,  ähnlich wie Laubbäume, einmal im Jahr ihre Blätter ab.                             Er zeigt jetzt neben seinen großen schönen Blättern auch wunderbar weiße Blüten, die sogar ein wenig duften.                                                                                                                                                                         Neben dem Frangipani wächst ein eher unscheinbarer Busch mit genauso unscheinbaren Blüten, seinen Namen konnten wir bis jetzt nicht herausfinden. Er wächst etwas chaotisch in die Höhe, ich habe ihm nicht viel Beachtung geschenkt, bis ich eines Abends herausfand, dass er diesen  leichten wohlriechenden Duft versprüht der bei Wind bis zu uns auf die Veranda weht.  Tagsüber ist davon nichts zu riechen.

 

Einige kleinere Palmen wachsen ohne große Pflege, sie sind von der ehemaligen Hausbesitzerin gepflanzt worden und gedeihen auch auf sandigem Boden. Bevor wir das Haus kauften stand es einige Jahre leer und somit war auch der Garten sich selbst überlassen, einiges haben wir so gelassen, einiges rigoros entfernt und vieles erstmal wieder gepflegt. Dazwischen haben ein paar Pflanzen ein neues Zuhause gefunden, drei kleine Passionsblumen klettern an der Hauswand empor. Fazil ist unentwegt bemüht Ableger zu ziehen, zwei kleine Hibiskuspflanzen dürften bald groß genug sein um in den Garten umzuziehen.                                                                                                                                                                 Auch ich versuche mich mit der Anzucht von Pflanzen und bin gespannt ob sich Lavendel in sansibarischem Boden irgendwann heimisch fühlt. Die ausgesäte Rauke tut es und auch  Fenchel und Tomaten fühlen sich wohl. Viele Pflanzen in unserem Garten stehen in Deutschland als Topfblume auf dem Fensterbrett und es wird bestimmt noch eine Weile dauern bis ich alle Exoten

 

Auch wenn unser Garten nur klein ist, er schenkt uns einen großen Lebensraum in dem wir entspannen können, mit den Händen in der Erde können wir  für so manche Hürden des Alltags neue Kraft tanken.  

Natürlich wünschen wir uns, dass sich zukünftige Gäste in unserem Garten  genauso wohlfühlen und sich nicht nur am Strand erholen können.

 

 

 



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Kommentare: 2
  • #1

    Norbert Kappenstein (Sonntag, 27 Oktober 2019 14:54)

    Hallo Elske,
    ein sehr schöner Bericht über Deinen Garten.
    Da wird es Dir in Zukunft ja nicht an Fotomotiven fehlen :-)
    LG Norbert

  • #2

    Christa Regina (Sonntag, 27 Oktober 2019 16:16)

    Hallo liebe Elske.
    Auch wenn ich mich wiederhole, aber Du solltest wirklich ein Buch schreiben. Deine Berichte sind so spannend, man wil kein Wort verpassen und man kann sich alles so gut vorstellen, als wäre man selber dort.
    Alles, alles Gute Dir von Christa