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Die erste Saison in der Villa Kiota


Es ist Mitte April, nach wie vor, ist es tagsüber unglaublich heiß, am Abend ziehen dunkle Gewitterwolken auf, kurz darauf zucken die ersten Blitze am Himmel um stundenlang am Himmel hin und her zu tanzen, es schüttet wie aus Kübeln. Symbolisch steht dieses Wetterdrama für die derzeitige Weltlage.

 

Der Virus mit all seinen Schrecken hat jäh die Saison beendet, hat uns aber bis jetzt nur wirtschaftlich fest im Griff.         Vor ein paar Tagen sind die letzten Gäste abgereist, zwei junge Frauen aus der Slowakei mit Wohnsitz in London, die schon fast panisch versuchten irgendeinen Flug in Richtung Europa zu erwischen. Wie so viele, mussten sie ihren  Urlaub um mindestens zwei Wochen verkürzen. War der Strand in Paje noch vor drei Wochen voll mit Touristen die bei uns ihren Urlaub genießen wollten, sind es jetzt weniger als eine Handvoll.                                                                                           Freunde von Sadat, die auch in der Tourismusbranche arbeiten, wurden einen Monat eher in den Urlaub geschickt, noch wurde ihnen ein Gehalt ausgezahlt.                                                                                                                                                     Viele Restaurants und Hotels sind geschlossen.                                                                                                                            Offiziell sind erst neun Menschen an dem Koronavirus erkrankt,  die Schulen wurden aber schon vor zwei Wochen geschlossen, das gilt im Übrigen für alle Bildungseinrichtungen. Hier in Paje hat die Polizei den Kindern das Fußballspielen verboten, die Moscheen sind allerdings geöffnet und deutlich voller als zu normalen Zeiten. Ansonsten geht für die meisten Menschen das Leben einfach weiter auch wenn die Stimmung  gedämpft wirkt.                                    Ob wirklich alle hier genau wissen, was es mit diesem Virus  auf sich hat, lässt sich schwer einschätzen. Eine wirklich sachliche und umfassende Berichterstattung gibt es kaum.                                                                                                             Wir vermeiden möglichst alle sozialen Kontakte und auch wenn es den Jungs schwer fällt, dürfen sie vorerst nicht mehr draußen spielen, sondern nur noch mit uns spazieren gehen. 

 

Trotz aller Sorgen die ich mir um meine Familie und Freunde in Deutschland mache und dem Blick in die Zukunft, versuchen wir uns ein bisschen zu erholen, die letzten vier Monate hatten es wirklich in sich.

 

Als wir endlich Ende November alle nötigen Papiere und Lizenzen erworben hatten, konnten wir die ersten Gäste aufnehmen.                                                                                                                                                                                             Sadat und ich hatten im Vorfeld leichtes Bauchgrimmen uns beschäftigte die Frage nach den nötigen Buchungen. Um uns nicht gegenseitig verrückt zu machen, versuchten wir so wenig wie möglich, unser eigenes Kopfkino  mit einander zu teilen. Nachdem unsere Villa Kiota bei Booking. com und Co eingestellt war, erhielten wir die ersten Buchungen für Januar und Februar über diese Portale.                                                                                                                                                       Anfang Dezember erhielten wir spät abends einen Anruf von einem befreundeten Restaurantbesitzer, ob wir einen Gast spontan aufnehmen könnten. Ja klar, konnten wir. Am nächsten Morgen stand Liz aus Barbados vor der Tür, ich war erleichtert, dass ihr das Zimmer gefiel  und sie von unserem Garten sehr angetan war.

 

Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, wenn man mit einem positiven Feedback belohnt wird, nachdem man etwas völlig neues auf die Beine gestellt hat. Die Selbstzweifel die einen bis weilen quälen,  ob man diese Sache auch wirklich richtig angeht und ob man all dem gewachsen ist. Ja, so ein Lob kann schon sehr gut tun.

 

Natürlich gaben wir uns für das erste Frühstück besonders viel Mühe. Zwischen Sadat und mir bestand immer Einigkeit darüber, dass wir ein besonders Augenmerk auf das  Frühstück legen wollten. Liz genoss offensichtlich dieses, Primere geglückt.                                                                                                                                                                                                         In den ersten Dezembertagen kamen noch einige weitere Gäste, immer für zwei-drei Nächte und sie fühlten sich wohl bei uns. Langsam ließ unsere innere Anspannung nach.                                                                                                                      Mein jüngster Sohn reiste aus Deutschland an, im Gepäck das ein oder andere Equipment um das Internet zu optimieren. Ich freute mich riesig über seinen Besuch und die Aussicht ihn drei Wochen wieder um mich zu haben.

 

Für den 9. Dezember erwarteten wir eine Gruppe aus Rumänien, bestehend aus 10 Gästen für Sage und Schreibe drei Wochen. Wir waren ausgebucht und freuten uns darüber wie „Bolle“.                                                                                          Die Buchung kam über einen Fehler meinerseits bei airbnb zustande. Ich hatte aus Versehen, die Villa als Ganzes ausgeschrieben und das für minimales Geld. Nach einigem Hin und Her konnte ich mit dem Interessenten, ein für beide Seiten, vernünftiges Angebot erstellen. Bis zu diesem Datum hatten wir nur Fadhil als einzigen Angestellten, wir brauchten also dringend Verstärkung.

 

 An Arbeitskräften mangelt es auf Zanzibar nicht, fast jeden zweiten Tag gab es Menschen, die an unserer Tür nach einem Job fragten. Wir hatten uns bei vielen anderen Hotels und Freunden umgehört, um heraus zu finden, wie ein anständiges Gehalt aussehen sollte. Es gibt natürlich keinen tariflich festgelegten Lohn. War ich in Deutschland als Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert und zeitweise in einem Betriebsrat beteiligt, wechselte ich nun quasi die Seite. Eine neue Perspektive, trotzdem will ich fair bezahlen.

Den Chef „ raus hängen zu lassen“, fällt  Sadat und mir nach wie vor schwer. Ich musste aber schnell lernen, dass hier mit Arbeit ganz anders umgegangen wird als z.B. in Deutschland. Ein gewisses Maß an Engagement zu finden ist absolute Glücksache. Bei Fadhil haben wir dieses Glück und wir arbeiten zu dritt gerne und gut zusammen.                   "Housekeeping" ist bestimmt kein Traumjob, dass weiß ich, trotzdem kann man für ein gutes Gehalt gute Arbeit erwarten. So mussten wir schnell zwei Mädchen nacheinander wieder entlassen. Für meditatives Putzen können wir leider niemanden bezahlen.   

Ich war schon ein wenig frustriert und hatte Sorge, dass wir in Zukunft, auch noch zusätzlich zu allen anderen Arbeiten die Gästezimmer reinigen mussten. Da wurde uns durch einen Freund Mariam vermittelt, nach und nach haben wir uns zu einem guten Team entwickelt. In der ersten Zeit nannte sie mich noch Madame, ich kam mir dabei noch älter vor, sah mich selbst mit grauen Haaren und einem Pudel an der Leine, gruselig. Jetzt bin ich für sie auch schlicht und einfach Elske.

 

Zurück zu unseren ersten Gästen und dem 9. Dezember. Wir erwarteten die Gäste am späten Nachmittag, alles war sauber, die Betten gemachten, wir waren zufrieden mit unseren Vorbereitungen. Die Aufregung hielt sich in Grenzen, hatten wir doch schon einige Gäste zu ihrer Zufriedenheit beherbergt.

Um es kurz zu machen, wir waren erleichtert, als die drei Wochen herum waren, trotzdem haben wir durch diese Gruppe und ihre Bedürfnisse viel gelernt,  nicht alle Gäste kommen als Fremde und gehen als Freunde, dass wird sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen.

 

Nachdem wir die rumänische Gruppe verabschiedet hatten, gab es keinen einzigen Tag ohne Gäste, wir waren zwar nicht immer komplett ausgebucht, aber wir waren sehr zufrieden mit unseren Buchungen. Wir hatten unglaublich liebenswerte Gäste, Menschen die es einem einfach machen und die man gar nicht gerne wieder gehen lässt, bei denen man  hofft, dass sie eines Tages wieder vor der Tür stehen.

Glücklicher Weise hatten wir in der gesamten Zeit nur sehr wenige Gäste, die wir als anstrengend empfunden haben und bei denen wir froh waren, dass sie nicht so lange blieben.

 

In dieser ersten Saison haben wir  viel gelernt. Es sind ja nicht nur die Gäste die betreut werden wollen, wir mussten uns nochmal intensiver mit der sansibarischen Bürokratie, sprich Steuern und Tourismus Kommission beschäftigen, den Dschungel der Online-Portale verstehen lernen und vieles mehr. Mit Kritik umzugehen, sie ins rechte Licht zu rücken und nicht alles so ganz persönlich zu nehmen ist wohl mit die schwierigste Aufgabe.                                                                        Oft sind wir am Abend hundemüde ins Bett gefallen. Trotzdem sind wir  uns beide einig, die Mühen haben sich gelohnt. Besonders freut es uns,  dass unser angebotenes Frühstück so gut ankommt. Es ist toll, wenn Gäste aus aller Welt an einem Tisch sitzen, ihr Frühstück genießen und sich dabei unterhalten.

 

Die Regenzeit hat jetzt erst begonnen, wie es danach weiter geht steht für uns alle in den Sternen, wir hoffen, dass es nicht so arg wird und wir alle hoffen auf eine nächste gute Saison.          .

 

 



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Kommentare: 11
  • #1

    Norbert Kappenstein (Samstag, 11 April 2020 16:55)

    Hallo Elske,
    wie immer sehr interessant und spannend zu lesen ist Dein Bericht,
    ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg.
    LG Norbert

  • #2

    Gerlinde Kaltenmeier (Samstag, 11 April 2020 18:00)

    Guten Abend Elske.
    Dein Bericht über die vergangene Saison war wirklich Spannend zu lesen, und ich hoffe für euch, dass es nach der Regenzeit, genau so spannend weiter geht.
    Ganz liebe Grüsse an euch
    Gerlinde

  • #3

    Ulla Holbein (Samstag, 11 April 2020 20:55)

    Hallo liebe Elke,
    mit großem Interesse hab ich deinen Bericht wieder mal gelesen und muß sagen, alle Achtung!...
    Du/ihr habt ja schon ganz schön was geschafft in den ersten Monaten seit eurer Eröffnung!
    Und toll. dass euch das viele eurer Gäste auch spüren lassen!
    So ein positives Feedback wünscht man sich!...:)
    Klar, wenn ich mir deine Fotos hier anschaue, so sieht alles auch sehr appetitlich und lecker aus!
    Ich hoffe, dass es in Zukunft genauso erfolgreich für euch weiter geht!...
    Liebe Grüße und bleibt gesund!
    Euch entspannte friedliche Ostertage...Ulla

  • #4

    Ulla Holbein (Samstag, 11 April 2020 21:00)

    Sorry Elske, das Rechtschreibprogramm hat mal wieder deinen Vornamen geändert!...:(
    Mir ist es erst aufgefallen, nachdem ich die die Nachricht schon abgeschickt hatte, leider!...:(

  • #5

    Elke Becker (Sonntag, 12 April 2020 11:20)

    Liebe Elske,
    es freut mich so sehr, zu lesen, dass Ihr so viel geschafft habt und Euch nun ein wenig Entspannung gönnen dürft. Hut ab, vor all dem, was Ihr geleistet habt und noch immer leistet! Ich drücke Euch ganz fest die Daumen für weitere Erfolge und vor allem dafür,
    dass dieser blöde Virus Euch nicht so stark überrollt wie manch anderem Land!
    Alles Liebe und Gute wünscht Euch Elke mit Puschkin :-)

  • #6

    Ulla Moswald (Sonntag, 12 April 2020 12:52)

    Liebe Elske,
    toll zu lesen, was ihr da auf die Beine gestellt und schon erlebt habt!
    Ich wünsche euch viel Glück und Freude weiterhin und dass es bald für alle wieder bergauf geht.
    Frohe Ostern und liebe Grüße aus Berlin:-)
    Ulla

  • #7

    Himmelsstürmer (Montag, 13 April 2020 19:28)

    Hallo Elske,
    Dir und Deinem Mann weiterhin diese Erfolge und ich wünsche mir ganz fest, dass wir uns irgendwann einmal sehen werden. Erst einmal muss Corona ausgemerzt werden! Danach schauen wir weiter!

    Herzl. Grüße, Ulli

  • #8

    Dorothea (Montag, 04 Mai 2020 13:37)

    Liebe Elske,
    Danke, dass Du uns so an Deinem abenteuerlichen Leben teihaben lässt,
    schade, dass wie nicht mehr so weit reisen können, sonst würden wir sicher
    mal kommen.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie dort und hier in Deutschland alles Gute.
    Liebe Grüße, Dorothea

  • #9

    Christa Regina (Freitag, 15 Mai 2020 18:06)

    Hallo liebe Elske
    Habe erst heute Deinen wie immer spannenden Bericht gelesen. Da ich selber 25 Jahre in der Gastronomie tätig war und auch selber mit meinem Mann zusammen eine Pension mit Restaurant geführt hab, kann ich mich sehr gut in Deine Lage versetzen. Durch die jetzige Situation mit diesem Corona Virus habt ihr es sicher nicht einfach. Hoffen wir, dass bald wieder sich alles zum Guten wendet. Von ganzem Herzen wünsche ich Dir und Deinem Mann viel Erfolg mit eurem Hotel.
    Ganz liebe Grüsse aus dem fernen Deutschland. Christa

  • #10

    Christa Regina (Sonntag, 30 August 2020 10:38)

    Hallo liebe Elske.
    Habe jetzt erst Deinen wie immer spannenden Bericht gelesen. Irgendwie hatte ich das Gefühl ich bin mittendrin im Geschehen. Kann mich so gut damit identifizieren, da ich ja selber über 20 Jahre im Hotelgewerbe gearbeitet habe.
    So, nun werde ich noch den neuesten Bericht lesen.
    Alles, alles Gute für Euch.
    Herzlichst Christa

  • #11

    Christa Regina (Sonntag, 30 August 2020 10:41)

    Oh, hab Grad gelesen, dass ich den Bericht doch schon gelesen hatte. Ich glaube ich werd alt.