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stürmische Zeiten



Seit Wochen gibt es kaum ein anders Thema als Covid-19  das weltweit die Medien beherrscht, in vielen Ländern wird öffentlich darüber diskutiert wie sich das gesellschaftliche Leben durch die Pandemie verändert hat.

 

Vieles geht an uns und unserem kleinen Fischerdorf mitten im indischen Ozean vorbei.

 

Das Coronavirus ist zwar in aller Munde, letztlich lassen sich die Menschen aber davon nicht sonderlich beeindrucken, das Leben geht einfach weiter.                                                                                                                                                                       Die letzten Touristen sind abgereist, innerhalb der Regenzeit zwischen April und Juni ist das völlig normal.                       Paje gehört wieder nur den Einheimischen und den wenigen Europäern die hier ständig leben.  Die Fischer gehen mit ihren Booten je nach den Gezeiten zum Fischfang, die Frauen kümmern sich um die Seeweed- Gärten. Die Kinder flitzen durch die Gegend, ohne die Schule, die seit Wochen geschlossen ist, fehlt es ihnen ein wenig an Struktur.                          Die Moscheen sind geöffnet und hatten während des Ramadans gewohnt großen Zulauf.  In der Mittagszeit sieht man Gruppen von Männern oder Frauen recht eng beieinander ihre Siesta halten.                                                                            Vor einigen Wochen fuhr ein Wagen der sansibarischen Regierung durch das Dorf, per Megaphon wurden die Menschen auf Hygienemaßnahmen hingewiesen, auch soziale Distanz wurde erwähnt.                                                                   Ausschließlich private Projekte ließen einfache Gesichtsmasken anfertigen und pfiffige Schneider entdeckten damit eine neue Marktlücke. Zögerlich setzt sich das Tragen dieser Masken, zumindest in der Stadt. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist es Pflicht Masken zu tragen. 

Nach wie vor sind viele Bewohner auf dem Land davon überzeugt, dass Virus wäre  eine Geschichte oder würde nur Mzugngu treffen.

Vielleicht hätten einige wenige Regierungsvertreter  einen lock- down like Europa befürwortet, für die Regierung auf dem Festland als auch auf Sansibar war dies nach einigen  Diskussionen keine Option.                                                                     Die meisten Menschen leben von der Hand in den Mund und sind jeden Tag aufs Neue gezwungen zu schauen wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Ein lock down würde die Armut auf einen neuen Höhepunkt treiben. 

               

Mit ein wenig Fantasie hätte/ könnte man nun wenigstens die getroffenen Vorsichtsmaßnahmen erweitern, dies wurde unterlassen.                                                                                                                                                                                                  Bis Mitte Mai wurden aktuelle Zahlen von Infizierten veröffentlicht, in wie weit diese Zahlen der Realität entsprachen kann ich nicht beurteilen. Plötzlich hieß es dann, die Labore in denen die Tests ausgewertet wurden, hätten schlecht gearbeitet und das nötige Equipment wäre auch defekt. Nun gibt es keine Zahlen mehr.  Präsident Magufuli forderte stattdessen seine Mitbürger intensiv in Kirchen und Moscheen für das Land zu beten.                                                                                     In der zwischen Zeit beschlossen Nachbarländer wie Kenia, Uganda und Sambia die Grenzen zu Tansania zu schließen, da viele LKW-Fahrer die zwischen den Ländern hin und her fahren, ein scheinbar positives Testergebnis aufwiesen.              Ein Dementi der Regierung unterstellt diesen Ländern unter anderem Böswilligkeit.

 

Es ist nicht so leicht an stimmige Informationen zu gelangen.

Zeitungen gibt es nur in der Stadt zu kaufen und sie werden von einer kleineren Minderheit  gelesen. Hauptsächlich informieren sich die Menschen über die sozialen Medien.  Die meisten Radiosender sind linientreu und stehen loyal der Regierung gegenüber. Von einer sachlichen, unabhängigen Berichterstattung scheint man meilenweit entfernt zu sein.

 Fehlt nun aber eine sachliche, unabhängige Berichterstattung kommt es zwangsläufig zu einer stark brodelnden Gerüchteküche: es wird von geheimen Beerdigungen des Nachts in Dar-es- Salaam getuschelt, von Krankenhauspersonal das sich reihenweise infiziert, Krankenhäuser die völlig überlastet sind.                                                                              Politisch Interessierte bekommen es wohl mit der Angst zu tun, wenn spekuliert wird, dass  kritische Oppositionsmitglieder verhaftet werden.                                                                                                                                                In wie weit sich hier Fantasie und Wahrheit vermischen kann ich nicht sagen.

In all diesem politischen Hick-Hack und um vielleicht der „böswilligen“ Berichterstattung etwas entgegenzusetzen, verkündete nun Herr Magufuli, dass das intensive Beten geholfen hätte, das Virus hätte sich aus Tansania verabschiedet, welch Glück, denken da doch viele.

 Wir sprechen in dieser unsicheren Zeit oft und intensiv über politische Anschauungen und deren Wirkung.  Ich muss erkennen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, in einem  einigermaßen  verlässlichen Rechtsstaat aufzuwachsen. Jetzt gerade fragt mich Sadat ein ums andere Mal ob ich Dinge wirklich so benennen will. (Du, werter Leser musst also ein wenig zwischen den Zeilen lesen.)  

Aber mich hat keiner gezwungen hier zu leben und ich lebe trotz allem sehr gerne hier.

 

 In unserem kleinen idyllischen Fischerort wird sich wenig um die große Politik gekümmert, das Leben muss so oder so weitergehen.                                                                                                                                                                                              Und es gab auch für uns andere Ereignisse die uns neben Covid-19 beschäftigt haben.

 Mitten im Ramadan machten einige Unholde Paje unsicher. So wurde auch bei uns mitten in der Nacht eingebrochen.  Die Diebe waren sehr risikobereit, stahlen sie doch direkt neben unserm Bett, Bargeld, meine Kamera und mein Handy, während wir selig schliefen.                                                                                                                                                                      Ich glaube, jeder kann sich vorstellen wie geschockt wir waren, als wir mitten in der Nacht wach wurden und den Diebstahl bemerkten. Glück im Unglück, unsere gesamten Dokumenten wie Kreditkarten, Identitätskarten usw. die sich in unseren Portemonnaies befanden, legten sie fein säuberlich auf eine Mauer an unserem Grundstück.                                 Als wir am nächsten Morgen unsere hiesige Polizeiwache aufsuchten um Anzeige zu erstatten, wurde mir deutlich bewusst wie lächerlich es gewesen wäre, sie mitten in der Nacht anrufen zu wollen.                                                          Vielleicht hatten diese „netten“ Beamten an diesem morgen  noch nicht genügend Koffein intus, um uns wahrzunehmen, unseren Bericht wollte eigentlich niemand so richtig zur Kenntnis nehmen.                                                                               Erst als ich in die Rolle der  hysterischen weißen Frau schlüpfte, sah sich ein Beamter genötigt, uns zuzuhören. Er fuhr sogar mit uns nach Hause um den Tatort zu besichtigen.  Nach dieser Inspektion bestand er darauf, ein Protokoll der Ereignisse anzufertigen, dazu mussten wir nochmals mit auf das Revier.                                                                               Schade, dass man hier nicht fotografieren darf, jeder deutsche Polizeibeamte würde nie wieder über das eigene Büro meckern, wie man so arbeiten kann ist mir ein Rätzel. Genauso rätselhaft erschien mir die sehr lange Dauer der Protokollaufnahme und auch die Aussagen, man könne ja eventuell recherchieren.

 

Wir wollten uns nicht so ohne weiteres geschlagen geben, da wir erst einmal davon ausgingen, die Einbrecher müssten über Ortskenntnisse verfügen. Sadat telefonierte also mit Bekannten aus dem Ort, die über all ihren Augen und Ohren haben. Und wie es hier so ist, irgendwer kennt irgendwen, der vielleicht weiterhelfen kann.                                                     So auch in diesem Fall und drei nette Herren tauchten mit einem von unseren Bekannten am Nachmittag bei uns auf.   Kripo in Zivil und hauptsächlich Undercover unterwegs, so jedenfalls ihre Geschichte. Ich hätte die drei auf keinen Fall für Kripobeamte gehalten. Nach diesem Besuch wussten wir jedenfalls, es wurde häufig eingebrochen und die Täter waren oder sind sehr risikobereit, allerdings ohne je gewalttätig zu werden. Die Drei sicherten uns, man wolle gerne recherchieren, allerdings würde man dazu eine kleine Zuwendung benötigen. Tja, so ist das. Außer dass wir unsere Mauer um einiger erhöht haben, kamen noch einige kleine Sicherheitsmaßnahmen dazu. Kurz vor dem Zuckerfest hörten wir noch von einigen Einbrüchen, jetzt hat das Dorf hoffentlich bis zum nächsten Jahr Ruhe.

 

 

Aber was hat denn nun ein Virus mit einem Einbruch gemeinsam, außer das man gut und gerne darauf verzichten kann. Es wäre das Vertrauen in ein System, in dem ich als Bürger, annehmen darf, dass meine Belange, meine Ängste und Sorgen ernst genommen werden und Verantwortliche verantwortungsbewusst handeln. 


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Kommentare: 3
  • #1

    Marion Stevens (Samstag, 30 Mai 2020 15:26)

    Liebe Elske,
    wie sagt man so schön: Ein Unglück kommt selten allein. Wenn ich aber alles richtig gelesen habe,
    steht ihr der ganzen Situation noch relativ entspannt gegenüber, möge es so bleiben und alles wieder gut werden. Ohne diese Hoffnung wäre ein Weiter- Leben doch sehr deprimierend.
    Viele Grüße vom fernen, sonnigen, viel zu trockenen Niederrhein
    Marion

  • #2

    ConnieBu (Samstag, 30 Mai 2020 17:02)

    Achherrje ... das sind ja insgesamt nicht wirklich prickelnde Neuigkeiten. Weder der Einbruch und die Wahrnehmung seitens der Ordnungshüter - noch der Umgang und die Wahrnehmung des Corona-Virus. Richtige Informationen sind ja doch erst mal das A und O - und schlimm, wenn man sich eine Wahrheit dann selbst zusammenstellen muss ...
    Meinerseits habe ich Jahrzehnte über die lästigen Rundfunkbeiträge der Öffentlich-Rechtlichen hier geklagt - der auf dem Rundfunkstaatsvertrag von Anno Tubak beruht ... in der C.-Krise war ich dann doch sehr sehr dankbar für die Informationen, die man dort erhielt.
    Dir und euch weiterhin alles Gute und liebe Grüße aus der Südeifel.
    Connie

  • #3

    Birgit aus Hitzacker (Samstag, 30 Mai 2020 18:59)

    Habe ich gern gelesen. Alles Gute für Euch�Und……… welche Adresse ist es, an die man sich als Urlauber wenden muss, um nach Quartier zu fragen? Ich habe hier so eine, afrikaliebende, reiselustige Bekannte��
    Meine email ist : schargy@freenet.de