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Sansibar: Insel der Sorglosen?


So ein sorgloser, entspannter Samstag ist etwas Wunderbares. 

Ausschlafen, am Strand spazieren gehen.  Ohne Eile durch Paje zu schlendern, um den Einkauf zu Fuß zu erledigen, mit einem Kaffee auf der Veranda zu sitzen um zu lesen, einfach herrlich.

 

Wir haben Urlaub, drei Wochen haben wir unser kleines Hotel für Gäste geschlossen. Ich finde wir haben uns diesen Freiraum redlich verdient, mehr oder weniger haben wir sechs Monate, sieben Tage in der Woche durch gearbeitet. Natürlich waren wir in diesen Monaten nicht permanent voll ausgebucht, aber für viele Wochen eben doch.                   Auch wenn uns zwei Angestellt bei der Arbeit helfen, es bleibt viel zu tun und vieles muss bedacht werden, will man seinen Gästen einen schönen Urlaub ausrichten.  

An manchen Tagen kommt die eigne Freizeit viel zu kurz und das Meer scheint weit, weit weg.

 

Meinen letzten Blogartikel im Oktober,  beendete ich mit der Hoffnung, dass sich der Tourismus auf Sansibar schnell erholen möge, bis dahin verirrten sich nur wenige Touristen auf die Insel.                                                                                    Ab Mitte November wurden es immer mehr und rund um Weihnachten gab es hier in Paje kaum noch freie Betten.  Diesen Ansturm hatte wohl keiner vorab prognostiziert.

 

Zuerst waren es hauptsächlich Gäste aus Osteuropa, besonders aus Russland.                                                                        Viele dieser Gäste sprachen so gut wie kein Englisch und waren eher zufällig auf Sansibar gelandet, da ihre bevorzugten Ziele wie Bali oder Thailand nach wie vor für Touristen geschlossen sind.                                                                                     Die sansibarische Kultur interessiert diese Gäste herzlich wenig. Viele Restaurants reagierten in Windeseile und erstellten zusätzliche  Menükarten in russischer Sprache.                                                                                                                                   Hin und wieder stellten sich einige dieser Gäste als Herausforderung dar.

Der Bürgermeister von Sansibar-Stadt sah sich dann auch genötigt, eine Kleiderordnung für öffentliche Plätze in Form von Ordnungsstrafen zu verhängen. Sehr leicht bekleidete Touristen sind Vielen, nicht nur Sansibari ein Dorn im Auge und verletzen die muslimische Tradition sehr. Nun weisen Plakate an den verschiedensten Orten darauf hin.

 

 Sadat und ich hatten das Glück, wirklich sehr reizende und liebenswerte Menschen aus diesen Ländern kennen zu lernen. Und wie so oft im Leben ist es nicht ratsam nur in Schubladenmustern zu denken.

 

Ab Mitte Januar kamen immer mehr Gäste aus Westeuropa zu uns, darunter viele Deutsche und Schweizer Gäste. Sie alle wirkten deutlich gestresster, als die russischen Urlauber und hatten erst einmal das Bedürfnis sich die Begleiterscheinungen des Corona-Virus quasi von der Seele zu reden. Viele erzählten uns, dass sie von ihren Reiseplänen kaum jemanden etwas erzählt hätten, da Freunde, Arbeitskollegen und selbst die Verwandtschaft, Reisen insbesondere nach Sansibar als unverantwortlich ansahen.                                                                                                                                    Nach ein paar Tagen setzte die Erholung ein und ich erlebte unsere Gäste deutlich entspannter. 

 

Merkwürdigerweise machten wir uns nur selten Gedanken, ob wir uns anstecken könnten, nicht alle Gäste waren ja vor der Einreise getestet worden. Einzige Alternative wäre aber gewesen, das Hotel zu schließen um sich in die Selbstisolation zu begeben. Keine gute Wahl und mit deutschen Hilfsgeldern hätten wir wohl kaum rechnen können;-)))

 

Mittlerweile waren nun schon einige Wochen vergangen und wir hörten sehr vereinzelt von Krankheiten die man hätte Corona zu schreiben können. Offiziell sollte über das Virus möglichst nicht gesprochen werden.

Im Februar verstarb  der Vizepräsident von Sansibar offiziell an Corona, eine kurze Zeit sah man in den Straßen von Sansibar-Stadt mehr Menschen Masken tragen.                                                                                                                                    In den sozialen Medien innerhalb Tansanias, nahm die Debatte, ob der politische Kurs von Herrn Magufuli richtig sei, zu. Zeitgleich  bekam ich die ersten deutschsprachigen Artikel, die sich mit Sansibar als sogenannte Partyinsel beschäftigten, im Internet zu lesen.

 

 Die Artikel die ich las, fand ich recht einseitig aus westlicher Sicht dargestellt. Die meisten  Berichterstatter ließen außen vor, dass es hier in Tansania kein soziales Auffangnetz gibt, das nur im Ansatz mit Europa vergleichbar wäre. Wer kein Geld verdient, kann sich nicht auf den Staat verlassen, um nicht zu verhungern.

 

Tansania/ Sansibar sind zu einem großen Teil vom Tourismus abhängig. Die Monate zwischen April und Oktober haben das Land und seine Menschen sehr hart getroffen. Die meisten unserer Freunde arbeiten in der Tourismusbranche, sie alle waren sehr schnell arbeitslos, ohne Arbeitslosengeld versteht sich.  Hier auf Sansibar und in Tansania wird zum großen Teil von der Hand in den Mund gelebt, Rücklagen kann da kaum einer bilden.

 Der sich erholende Tourismus ab November, war quasi der rettende Anker. All dies klammerten die Berichte über Sansibar mit seiner scheinbaren  Parallelwelt  aus und ließen  es lieber bei der Beschreibung von der „Insel  der Sorglosen“. 

 

Um dem Anspruch der Fluggesellschaften und den Heimatländern der Urlauber gerecht zu werden, wurden eilig Teststationen ins Leben gerufen, um zu gewährleisten, dass alle Urlauber  pünktlich zurück fliegen können.  Dabei gibt es immer mehr Touristen, besonders aus Westeuropa die sich schon seit Monaten hier aufhalte n und den Rückflug nicht antreten wollen, da sie ihre Regierungen in puncto Corona- Strategien als zu regiere empfinden.

Bei der westlichen Berichterstattung kam Herr Magufuli als Corona-Leugner sehr schlecht weg und das hauptsächlich auf Grund seiner Corona-Politik. 

Ich bin mit Sicherheit kein uneingeschränkter Fan von Herrn Magufuli und seiner Politik, die Art und Weise wie er sein Vorgehen in der Corona-Kriese den Tansaniern „verkaufte“ fand ich schon manchmal sehr merkwürdig.                           Fest steht aber, dass Tansania wirtschaftlich bis jetzt deutlich besser dar steht, als manch anderen afrikanischen Staaten und das es bis jetzt keine großen Demonstrationen wie z.B. in Kenia gibt. Hier gehen die Menschen auf die Straße und verlangen das Ende des Lockdowns um nicht noch mehr zu leiden.

 

 Herr Magufuli  ist somit sicherlich einigen Mächtigen mächtig auf die Füße getreten ist. Er verstarb am 17.03 und binnen Stunden stand für die westliche Welt fest, er muss an Corona gestorben sein.  Er war sicherlich nicht uneingeschränkt beliebt, ob er das das Land tief gespalten hat, wie es in einigen Berichten aus dem Ausland hieß, kann ich nicht 100% beurteilen, halte diese Aussage aber für stark übertrieben. 

Um ihn getrauert haben die Menschen in großer Zahl. Nun ist Frau Samia Suluhu Hassan seine Nachfolgerin und wir werden sehen, wie sie in den nächsten vier Jahren mit seinem politischen Erbe umgehen wird. 

 

Mama Samia, wie die Menschen sie hier nennen, ist die erste Präsidentin in Ostafrika. Dies sorgte für einen kurzen Moment für Gesprächsstoff hier in unserem kleinen Fischerort, aber eben nur für einen Moment.

Genauso sieht es mit Diskussionen über Corona aus. Seit einiger Zeit, wissen die Menschen hier, dass es einen Impfstoff gibt, jedenfalls im Westen. Ob er hier in Tansania ankommt und für die tansanische Bevölkerung erschwinglich sein wird, wer weiß das schon. Also wozu sich mit Themen beschäftigen die am direkten Leben vorbei gehen. Die Menschen hier sind  damit beschäftigt für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.                                                                                                         Seid sicher, sorglos geht irgendwie anders.

 

 

 

 

 


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Kommentare: 5
  • #1

    Marion Stevens (Sonntag, 11 April 2021 22:44)

    Liebe Elske,
    du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich über dein Lebenszeichen freue!!!
    Ich habe über deinen Bericht sehr gerne gelesen und mich über vieles gewundert, denn ich hatte befürchtet, dass es euch wegen der Corona-Pandemie und ohne Touristen wirtschaftlich schlecht gehen müsste. Dass es anders ist, freut mich für euch sehr. Ich hoffe, dass es für euch auch in nicht allzu ferner Zukunft Impfungen geben wird. Bis dahin passt auf euch auf!
    Liebe Grüße
    aus dem fernen Deutschland
    Marion

  • #2

    Christa Regina (Donnerstag, 22 April 2021 12:24)

    Hallo liebe Elske.
    Ich schließe mich den Worten von Marion an. Auch ich habe oft an Dich gedacht und überlegt,
    Wie es euch wohl gehen wird. Es freut mich zu lesen, dass ihr viel zu tun habt und ihr gesund seid. Ich wünsche Dir von Herzen, dass es so bleibt und dass bald wieder Normalität eintritt, was ich mir für unser Land auch wünsche.
    Danke für Deinen so interessanten Bericht und alles, alles Gute für Dich und Deine Familie.
    Herzlichst Christa

  • #3

    Dorothea Weckmann-Piper (Sonntag, 25 April 2021 11:35)

    Liebe Elske,
    Oft denke ich noch an unser gemeinsames Fotografieren zurück , und freue mich immer darüber, etwas von Dir zu hören. Dein Bericht ist wieder so spannend, eine ganz andere Welt für uns hier.
    So wünsche ich Dir von Herzen, dass Ihr gesund bleibt , und Arbeit und Entspannung sich ablösen können!! Alles Gute und Liebe Euch, Dorothea

  • #4

    Inga (Samstag, 22 Mai 2021 11:51)

    Wieder sehr interessant berichtet,danke dafür und alles Gute Euch.
    Liebe Grüße,
    Inga

  • #5

    Cornelia (Dienstag, 25 Mai 2021 19:54)

    Du hast vollkommen Recht. Auch ich habe jetzt im Mai niemandem erzählt, dass ich in TZ war, genau aus diesen und noch anderen Gründen. Aber wenn man so darüber nachdenkt, ist es ja schon schlimm, wie weit wir wegen diesem Corona-Zeugs gekommen sind, dass man nicht mal mehr erzählen darf, wo man in den Ferien war....